Wir sind wieder da! Überwältigt und gerührt von dem liebevollen Empfang all jener, die mit uns die letzten Kilomter mitwalken oder auf der Wiese vor dem Bräustüberl auf uns warten. Es gießt wie aus Eimern an unserem Ziel. Und das nach vorangegangenen 26 Laufetappen im Trockenen. Es sieht ganz so aus, als müßten wir durchnässt durch den uns erwartenden Zielbogen vorm Schloßplatz Nordic Walken. Um dem nicht endend wollenden Regen entgegenzuwirken, befestigen wir unsere Sponsoren-Aufkleber auf den Oberschenkeln zusätzlich mit Sicherheitsnadeln und fahren mit unserem Begleitfahrzeug nach Seeglas in Gmund, von wo wir starten.
Mit einer regen Teilnahme von Mitlaufwilligen rechnen wir bei dem Wetter nicht, und sind hocherfreut, dort viele bekannte Menschen zu treffen, die in regenfester Kleidung und allerbester Laune auf uns warten. Da sind die Damen vom FC Real Kreuth, Mitglieder des Injoy-Fitness-Studios, Freunde, Bekannte, Nordic-Walking-Trainer, Mitläufer, die bereits bei der Startrunde zum Auftakt um den See bei uns waren und der stellvertretende Gmunder Bürgermeister Georg Rabl. Elke, ein großer Fan von Katarina Witt ist zusammen mit ihrem Mann Heiko extra aus Bautzen angereist, um die letzte Etappe des Sylt-Tegernsee-Charity-Walks mit uns zu absolvieren. Wir können es kaum glauben, dass sich freiwillig so viele an diesem wettermäßig ungemütlichen Tag uns anschließen und mit uns nach Hause marschieren. Christina Jachert-Maier trotzt dem Wetter und schreibt nicht nur den Artikel im Münchner Merkur, sondern walked die Strecke auch mit uns mit. Da alle frieren und die Nässe durch alle Ritzen der Bekleidung kriecht, gibt es ein kurzes Warm-up unter Anleitung von Anja bevor es losgeht. Flott startet die Nordic-Walker-Gemeinschaft dann am Seeufer entlang der Hauptstraße in Richtung Tegernsee. Inzwischen regnet es nicht mehr und es wird auch schon ein klein wenig heller am Himmel.
Unterwegs mit den Stöcken müssen wir uns auch gleich schon wieder kurz abschnallen, da an der Organisation "gefeilt" werden muß. Was für ein Glück, dass es Mobiltelefone gibt. Wir bekommen die Anweisung, auf gar keinen Fall zu früh in Tegernsee einzulaufen, da das Empfangskomitee vor dem Bräustüberl noch etwas Zeit braucht. Wir drosseln das Tempo und legen mit denn Laufwilligen eine unplanmäßige Kaffeepause auf der Terrasse der Seesauna ein. Ohne Geld dabeizuhaben werden wir und unsere Mitstreiter mit heißen Getränken versorgt. Gezahlt wird eben später. Das ist der Service und die Freundlichkeit, die wir von der Monte Mare Seesauna von Anfang an gewohnt sind. Dankeschön! Es macht immer Spaß, in diese tolle Location zu kommen und am Tegernsee zu entspannen; selbst, wenn man ganz in der Nähe wohnt. An diesen Gegebenheiten und all den Personen merken wir, dass wir schon liebend gerne hier leben und auch hierher gehören. Und wie wir heute feststellen hilft es eben auch, wenn man bekannt ist, wie ein bunter Hund bzw. beklebter Walker.
Nachdem wir grünes Licht von Peter Rie erhalten, der sich als Vertreter der TTT um die Orga kümmert, sammeln wir uns und Nordic Walken durch Tegernsee direkt auf das Bräustüberl zu. Wir werden empfangen mit bayerischer Blasmusik, einem Zieleinlauf mit einer Zielschnur in bayerischen Rauten und unzähligen lächelnden Gesichtern. Wir sind wieder da!
Toni Engelhardt, der Sportreferent vom Landkreis Miesbach, unterhält das Publikum und moderiert charmant unser Ankommen. Toni Staudacher, 2. Bürgermeister von Tegernsee, empfängt uns mit einem Blumenstrauß und gebührenden Worten und Tobias Geißner, Vorstand der Katarina-Witt-Stiftung, überreicht uns symbolisch ein Plakat mit der bisher erlaufenen Spendensumme von 25.000,- Euro. Wir haben von weiteren Unterstützern Zusagen für noch kommende 5.000,- Euro und sind mächtig stolz darauf, eine solche Summe für den guten Zweck zusammenbekommen zu haben.
Einige unserer Sponsoren haben Stände aufgebaut, so wartet K2Sports, Zoot mit der neusten Sportschuhkollektion und Neopren-Anzügen auf. ( Diese könnten wir alle in den kommenden Minuten bestens brauchen, denn inzwischen fängt es wieder unaufhaltsam zu regnen an.) Das Parkhotel Egerner Höfe hat eine Massagebank bereitgestellt und die kurze Massage an unseren Waden ist vielversprechend. Wir freuen uns schon jetzt auf eine Behandlung in den nächsten Tagen im Hotel. Hans Köstler übergibt uns einen Scheck im Namen des Injoy-Fitnessstudios für die Stiftung und die Sylter Salatfrische gibt Schmankerl mit Sylter Salatsoße aus. Eine gute Ergänzung zum extra für heute vom Bräustüberl-Wirt Peter Hubert auf die Speisekarte gesetzten Crevetten mit Rührei als Sylter Gericht. Im Sudhaus des Bräustüberls werden wir überschwänglich begrüßt und stoßen mit einem Tegernseer Bier (das erste nicht alkohlfreie Getränk nach vier Wochen) auf unser Heimkommen an.
Wir als Weit-Walkerinnen (wie die Tegernseer Zeitung tituliert) haben noch lange nicht genug vom Nordic Walken. Wir haben noch immer Spaß daran. Nur die Gewohnheiten haben sich geändert. Waren wir früher ohne schützende Gummistöpsel unterwegs und haben uns von Weitem schon mit dem monotonen klack-klack angekündigt, sind wir durch die langen Laufeinheiten inzwischen Verfechter der Gummistöpsel auf den Stöcken geworden. Gerade auf den langen Asphalt-Abschnitten ist es gelenkschonender und da es geräuschärmer ist, auch deutlich nervenschonender so zu walken. Soviel zur Erkenntnis, was die Hardware angeht.
Was die körperliche Herausforderung angeht haben wir auch jede Menge Erfahrungen gemacht. Laut Waage haben wir nicht so viel Gewicht verloren. Aber Muskeln sind ja bekanntermaßen schwerer als Fett. So bestätigen uns alle, die uns sehen, dass wir beide eine komplett andere Figur haben. Und das, obwohl wir alles andere als eine Weight-Watchers-Tour hinter uns haben... Es wir eher schwer werden, wieder zu normalen Essgewohnheiten zurückzukehren, bei den Mengen, die wir nach unseren Tagesetappen immer vertilgt haben. Pasta in rauen Mengen, Brot, Erdnüsse, Schokolade - es war kaum etwas vor uns sicher. Das sagt uns ganz klar, dass es einfach wichtig ist, mehr Kalorien zu verbrennen, als durch Nahrung aufzunehmen. Eigentlich ganz einfach, oder? Und das so ohne Diätberater...
Was auf all den Etappen wichtig war, war eine gute Grundversorgung mit Flüssigkeit. Wir haben literweise Wasser getrunken sowie Elektrolytgetränke zu uns genommen und versucht, durch Einnahme von Basica, Magnesium und so gut es ging fast täglich einem Saunagang die Schlacken aus dem Körper zu bekommen. Zusätzlich waren wir bemüht, viel Schlaf zu erwischen, damit der Körper sich nachts regenerieren kann. Wenn uns das einmal nicht gelungen ist, fiel das Laufen am nächsten Tag deutlich schwerer.
Es ist ein unbeschreibliches Glücksgefühl, diese Projekt tatsächlich verwirklicht bekommen zu haben. Es ist also möglich, Deutschland in einem Monat zu Fuß zu durchqueren. Uns hat es gezeigt, dass so vieles möglich ist, wenn man es in erreichbare Ziele aufteilt. Wir mußten es niemandem beweisen außer uns selbst. Wir wollten keinen Guiness-Rekord aufstellen. Wir wollten einfach etwas Ungewöhnliches tun und dabei Gutes tun und das ist uns mit "Walken tut Gut(es)" gelungen. Wir sind glücklich und auch ein bisschen stolz auf uns. Wir sind dankbar für den Schutzengel, den wir stets an unserer Seite hatten und schön langsam fällt die Anspannung von uns ab. Wir haben die ganze Zeit über liebevolle Aufmunterung erfahren, nette Kontakte geknüpft und viele gute Wünsche erhalten. So hat Manfred, eine Radlbekanntschaft vom Rhein zu uns gesagt: "Denkt immer daran, es geht alles vorüber..." Leider! Irgendwie gingen die vier Wochen viel zu schnell vorüber. Und auch, wenn wir erholt aussehen und eine gute Gesichtsfarbe haben, merken wir doch, dass wir und unser Körper jetzt ein bisschen müde sind.
"Jetzt habt ihr es geschafft" haben wir heute oft gehört. Ja, das haben wir. Wobei geschafft ist nicht der passende Ausdruck. Wir sind angekommen. Hier. Zuhause. Am Tegernsee. Nach vier wundervollen, erlebnisreichen, unvergesslichen, sportlichen, wohltätigen, bewegenden Wochen inmitten der tollen Landschaft Deutschlands.
Und wir beide haben uns einen Geburtstagswunsch erfüllt. Ein neues Lebensjahr, welches uns gezeigt hat, dass das Leben immer wieder auf`s Neue überrascht, uns große Herausforderungen und stolze Erfolge bereitet, uns wundervolle Menschen zur Seite stehen, uns Kraft und Energie schenkt, voller Inspiration und Schönheit ist, und wir die Chance und die Möglichkeiten haben, jeden Tag neu zu erleben.
29.5.2010 - Etappe 27 - Bad Tölz - Gmund
Intervall-Training nennt man das, was wir auf unserer heutigen Etappe von Bad Tölz nach Gmund absolviert haben. Die lohnenden Pausen wie es in Sportlersprache heißt waren bei uns die Stops, die wir eingelegt haben, um mit Bekannten und Vorbeifahrenden zu Sprechen. So wird unsere Nordic-Walking-Strecke heute zur Nordic Talking-Strecke und wir Ratschen uns Kilometer für Kilometer voran.
Zum Start in der Marktstraße in Bad Tölz strahlt die Sonne für uns vom Himmel. Wir füllen unsere Getränkeflaschen, schnallen uns die Stöcke an die Hände und walken los. Vorbei an den hübschen Fassaden der Häuser in der historischen Fußgängerzone geht es zunächst zu einem unserer Tagessponsoren. Anna Sophie Deymann strahlt mit uns und der Sonne um die Wette, als wir vor ihrer Caffe-Bar Centrale in Bad Tölz Fotos machen. Nach einer Ehrenrunde durch die Marktstraße geht es von Bad Tölz über die Dörfer Richtung Tegernseer Tal. Auf unserem Weg wird uns ständig zugewunken, Autos fahren hupend vorüber und einige rufen uns aufmunternd zu: "Jetzt habt ihr nicht mehr weit."
Da ist der von gestern Nacht übriggebliebende Partylöwe, den wir an der Tankstelle treffen, als wir unsere Trinkflaschen auffüllen aber ganz anderer Meinung. In leicht lallendem Singsang lehnt er sich aus dem Beifahrerfenster eines Autos und fragt in tiefstem Bayerisch einige Silben verschluckend: "Ist das, was ihr da macht, Nordic Walking?" Ja. "Aha!" sagt er und steckt seinen Kopf wieder ins Wageninnere. Kurz darauf kommt eine erneute Frage: "Wo kommt ihr denn her?" Von Sylt. "Aha!" gibt er daraufhin abermals zu verstehen und dreht seinen Kopf weg. "Und wohin geht ihr noch?" will er wissen, als er zum wiederholten Male aus dem Autofenster schaut. Nach Tegernsee. "Aha!" Der noch heftig alkoholisierte Mann überlegt krampfhaft, versucht zu kombinieren und meint dann völlig erschrocken: "Aber ihr seid jetzt in Waakirchen ..."
Was für ein Glück, dass wir auf unserem langen Weg durch Deutschland neben den höflichen Passanten viele weitere Hilfsmittel hatten, um wieder zurück nach Hause zu finden. Dazu zählen: eine grobe Routenplanung vorab durch outdoor-active; gutes Kartenmaterial (an der Stelle noch einmal ein liebes Dankeschön an unsere vier Begleiter, die neben den Wanderkarten auch alles Andere, was wir gebraucht haben, jeweils vor Ort für uns besorgt und organisiert haben); pfadfinderischen Fähigkeiten (insbesondere unserer Fahrer, die zu tun hatten, uns jeweils wieder zu finden, da die Wanderweg nur selten parallel zu Straßen verlaufen) und das handliche Navigationsgerät mit dem deutlich erkennbaren Richtungspfeil auf der interaktiven Landkarte. Das alles waren wunderbare Ergänzungen zu den auf unseren Routen gehörten Aussagen der Menschen, die wir nach dem korrekten Weg oder der richtigen Richtung gefragt haben. Deren Antwort war in allen Bundesländern fast immer die selbe: "Zu Fuß?! ... Oh - das ist aber weit!..."
Im Obstladen, in dem wir uns heute frische Beeren statt Powerriegel mit künstlichem Beerengeschmack gönnen, gibt es aufgeschnittene Melone gratis dazu, weil wir die Zwei aus der Zeitung sind. Überhaupt ist der bayerische Charme gepaart mit dem unverwechselbaren Dialekt einmalig. Wir fühlen uns wieder daheim. Oder wie der Bayer sagt: "Dahoam is dahoam."
Während wir unsere letzte Strecke vor unserem "Homerun" laufen, räumt Andreas das Begleitfahrzeug aus und bringt es mit Putzlappen auf Vordermann. Zuhause angekommen, hören wir die ersten Tropfen auf den Dachliegefenstern und lächeln, weil wir einmal wieder trockenen Fußes unsere tägliche Laufeinheit absolviert haben. Jetzt wünschen wir uns bitte nur noch für morgen einen richtig schönen Maitag und viele liebe Menschen, die die letzten Kilometer mit uns laufen oder im Bräustüberl in Tegernsee auf uns warten. Denn jetzt ist es wirklich nicht mehr weit bis zur endgültigen Verwirklichung unseres Traumes Sylt - Tegernsee.
28.5.2010 - Etappe 26 - München - Bad Tölz
Etwas müde aber voller Eindrücke von gestern starten wir in diesen sonnendurchfluteten Tag. Das Wetter bei unserer gestrigen München-Etappe war wirklich ein Ausrutscher auf unserer Deutschlandreise, auf der wir 26 Tage lang trockenes und schönes Wetter hatten. Wir bedauern, dass wir genau an dem Tag, an dem wir von unserer "Schirmherrin" begleitet wurden, heftigste Niederschläge hatten, und Katarina Witt für die Fotos im Regen stehen lassen mußten.
Über die Sonne heute freuen wir uns dennoch besonders, denn wir haben eine richtig lange Etappe mit gut 6 Stunden zügigem Nordic Walken vor uns. Es geht entlang des Isarradweges mit Start in der Münchner Innenstadt nach Bad Tölz. Entspannt beginnen wir frühmorgens den Tag und laufen der Sonne entgegen. Der erwartete flache Weg am Ufer des Flusses (wie wir es vom Rhein, Main oder Neckar gewohnt waren) lehrt uns aber gleich eines Besseren, was das Höhenprofil angeht. Wir sind wieder in Oberbayern. Wir hätten es wissen müssen. Es geht bergauf! Natürlich auch wieder bergab. Das wird heute eine knackige Einheit für unsere Waden und Schienbeine. (Und wie Anja meint auch für einen knackigen Po. Na, wenn es der Gesundheit und Schönheit dient, schnauft es sich gleich viel leichter die Hügel rauf...)
Es geht die meiste Zeit durch bewaldetes Gebiet und gelegentlich über Sommerwiesen, die Kindheitsträume in uns wecken. Es riecht nach feuchtem Holz und wie so oft die letzten Tagen hören wir in der Ferne einen Kuckuck rufen. Wir haben so viele dieser Vögel gehört, dass wir uns fragen, was wohl die Mehrzahl von Kuckuck ist. Kuckucke? Kuckucks? Okay - wir sind wohl schon zu lange unterwegs, wenn wir über solche Dinge nachdenken. Irgendwie kommt uns unsere Deutschland-Durchquerung noch gar nicht so lange vor. Sind wir wirklich seit fast 4 Wochen auf den Beinen? War es nicht erst vor wenigen Tagen, als wir im Norden gestartet sind? Unsere ganzen Vorbereitungen liegen doch noch gar nicht so lange zurück. Es ist unglaublich, wie sehr die Zeit gerannt ist. So kommen wir etwas wehmütig immer näher in unsere Heimat und können es noch gar nicht richtig fassen, heute Nacht schon wieder in unseren eigenen Betten zu schlafen.
Wir marschieren so dahin, während wir den gestrigen ereignisreichen Tag Revue passieren lassen, und über den anstehenden Empfang am Sonntag nachdenken. Die bildschöne Landschaft bietet den idealen Rahmen für unsere Gedanken. Wir laufen durch die Publinger Au, erfreuen uns am Anblick des Klosters in Schäftlarn und Nordic Walken mit herrlicher Fernsicht in Richtung Isarwinkel. Und als wir direkten Blick auf die Kirche am Kalvarienberg haben, wissen wir, dass wir auch die heutige Etappe gut hinter uns gebracht haben. Wir sind uns Beide einig, dass wir mental durchaus noch viele Tage Stöcke-schwingend weiterlaufen könnten, aber unsere Muskeln durchaus eine Pause vertragen. Es ist erstaunlich, was ein menschlicher Körper so leisten kann, und dass es wirklich möglich ist, in einem Monat Deutschland zu Fuß zu durchqueren. Wir sind froh darüber, dass es uns gesundheitlich die ganze Zeit über so gut ging und wir jeden Tag große Freude an der Bewegung hatten. Die Freude an den Powerriegeln hält sich allerdings jetzt schön langsam in Grenzen. Haben wir die ersten Wochen noch voller Appetit in die Energiespender gebissen, gehen diese inzwischen nur noch zäh hinunter. Auch deshalb ist es gut, dass wir bald wieder unseren geregelten Tagesablauf haben, und zu normalen Zeiten Essen und Schlafen. So hatten wir unsere Hautpmahlzeit nach dem Laufen meist gegen 17 Uhr und waren nach kurzer Regeneration spätestens gegen 21 Uhr im Bett. Das wird in der nächsten Zeit sicher eine Umstellung werden, bis sich Gewohnheiten wieder angepasst haben. Dies wird wohl erst nach und nach geschehen. Das gleiche gilt sicher auch für all die Eindrücke, Erlebnisse, Gespräche und Erinnerungen, die erst nach und nach verarbeitet werden. Und das ist - denken wir - auch normal nach einem solchen Projekt. Wir sind auf alle Fälle gespannt auf Alles, was nachkommt und lassen uns überraschen.
27.5.2010 - Etappe 25 - München
Vom Münchner Süden in den Münchner Norden das sind die groben Rahmendaten unserer heutigen Tagesstrecke durch die bayerische Metropole an der Isar. Nachts hatte es starke Gewitter und heftige Regenfälle. Somit werden wir nicht nur durch das Läuten von Kirchturmglocken, sondern auch durch das Prasseln von Regentropfen geweckt. Was soll das denn? Wir laufen rund 900 Kilometer durch die Republik und werden nicht nass und kaum sind wir in heimatlichen Gefilden, werden wir mit diesem flüssigen Aggregatzustand erwartet?
Es hilft Alles nichts; dann geht es eben in Regenjacken zum Marienplatz. Dort warten bereits Michael Schneider von der Pressestelle unseres Sponsoren Erdinger alkoholfrei und ein Team von Sat1 unter großen Schirmen auf uns.
Der inzwischen wieder heftiger werdende Regen hält zwei fröhliche Frauen im sportlich roten Dress aus der Nähe von Mühldorf nicht davon ab, zu uns zu stoßen, und die Etappe München gemeinsam mit uns zu laufen. Die beiden Silvia`s sind extra für uns und unseren Charity-Walk 80 km weit nach München angereist. Wir sind ganz gerührt und freuen uns über die nette Begleitung. Wenig später starten wir an der Mariensäule über die Kaufingerstraße zum Stachus. Das Kamerateam von Sat1 dicht auf unseren Fersen. Weiter geht es über den Odeonsplatz zum Siegestor. Dort gibt es einen Fotostop mit den beiden Mitwalkerinnen, die übrigens beide trotz (oder gerade wegen) jeweils 3 Kindern topfit sind. Wir haben viel Spaß zusammen und die kurzweiligen Gespräche sorgen dafür, dass wir zu Fuß gefühlt schneller durch München kommen, als das mit dem Auto jemals möglich wäre. Inzwischen ist es wieder trocken, die Regenfälle haben aufgehört und wir uns unserer dicken wasserfesten Jacken entledigt. Schnell wird unnötiger Ballast ins Begleitfahrzeug gepackt und weitergewalkt. Inzwischen sind wir im Olympiapark angelangt, wo wir Katarina Witt treffen werden. Doch der Olympiapark ist ganz schön groß... Wie bereits im Vorfeld geahnt gibt es kleine Probleme, was das logistische Feintuning angeht und damit einhergehend die Zusammenführung von Katarina, Presse, Fernsehen und uns Läuferinnen. Dies erfordert noch einige zu gehende Extraschleifen von uns und unseren beiden spontanen Mitläuferinnen Silvia und Silvia. Inzwischen werden die dunklen Wolken am Himmel wieder bedrohlich schwarz, der Wind frischt auf und der nächste Regenguß läßt nicht lange auf sich warten. Es schüttet in Strömen und wir alle sind nass bis auf die Knochen. (Gut dass die Regenjacken trocken im Auto liegen...)
Andreas ist währenddessen ebenfalls im trockenen Fahrzeuginnenraum des 530GT vom Fahrerlager in die Telefonzentrale gewechselt und hat abwechselnd den Fahrer von Katarina Witt, Erdinger und Sat1 in der Leitung, um ein Zusammentreffen mit uns zu koordinieren. Währenddessen drapieren sich etliche Reporter vor dem Doppelkegel der BMW-Welt und warten auf das Ankommen von uns Walkerinnen in prominenter Begleitung.
Am Olympiaberg werden für die BILD-Zeitung Fotos geschossen, zum Interview mit Sat1 wird aufgrund des Regens mit einer BMW-Flotte zum Olympiasee geshuttlet, und schließlich geben Katarina und wir unter dem Dach nähe der Olympiahalle Interviews im Trockenen. Ein Kamerateam begleitet uns Nordic-Walkerinnen zusammen mit Katarina dann auf den letzten Metern zur BMW-Welt. Wir umrunden von hinten (wie am Vorabend besprochen) das Gebäude, welches inzwischen an Besuchszahlen die Nummer 1 in München ist, und laufen direkt unter einem Zielbogen mit BMW im Hintergrund ein. Was uns dort erwartet ist sagenhaft. Unzähliche Reporter, Fotoapparate, Blitzlichtgewitter und uns zulächelnde Menschen, darunter viele Freunde von uns stehen dort auf dem Platz. Wir bekommen ein 3-Liter-Weißbierglas von Erdinger alkoholfrei in die Hände gedrückt und laufen mehrmals für die Journalisten und Fotographen durch`s Etappenziel München. Katarina Witt ist gewohnt gut drauf und ihre Heiterkeit ist wie schon bei unserem Treffen in Hamburg ansteckend.
Wie wir später erfahren, ist sämtliche Münchner Presse vor Ort und einige der Reporter treffen wir abends beim Pressedinner im Restaurant der BMW-Welt wieder. Der Medienrummel ist großartig und wir haben ein dauerhaftes Lächeln im Gesicht. Wir sind überwältigt und begeistert gleichermaßen.
Auch das Tegernseer Tal ist vor der BMW-Welt vertreten. Der Tourismusverband hat einen schönen Stand aufgebaut; Peter Rie und Andrea Holzer haben ein herrliches Landschaftspanorama als Roll-up im Hintergrund. Das eignet sich im Anschluß hervorragend für Fotos mit der Eiskunstlauf-Olympiasiegerin. Ralf Kurbjuhn hat sein Sixcup-Sportgame mitgebracht, aufgrund des schlechten Wetters aber leider nur wenige Spielwillige gefunden. Katarina läßt es sich dennoch nicht nehmen, den eckigen Ball in den runden Korb zu kicken und steht auch hier für ein Foto zur Verfügung. Anja und ich genießen indes den Augenblick und gönnen uns ein alkohlfreies Weißbier, das wir nicht nur halten, sondern endlich auch trinken.
Unsere beiden "Mädls" aus Rattenkirchen müssen leider im nassen Walking-Dress die Heimreise antreten, während wir unsere Sportbekleidung von Jako gegen ein fesches Dirndl vom Sponsor Tracht & Mode in Tegernsee tauschen. Nach einer Stunde mit Kristin, unserer Haus-und-Hof-Makeup-Artistin, die extra für uns nach München angereist ist, sehen wir so verändert aus, dass uns der Fotograph der Bild-Zeitung im Aufzug in der BMW-Welt erst einmal nicht erkennt. Danke Kristin! Wir haben uns rundum wohl gefühlt. Im bayerischem Outfit folgen wir der Einladung von Helmut Pöschl und treffen beim Pressedinner nicht nur Katarina Witt und Elisabeth Gottmann, sondern auch viele Journalisten. Das hervorragende Essen und die erfrischenden Gespräche sind ein wunderbarer Ausklang dieses aufregenden Tages und wir sind ganz glücklich darüber, dass wir den Abend zusammen mit unseren vier Begleitern Gerd, Michael, Wolfgang und Andreas auskosten können. Bei den Gastgebern Thomas Muderlak und Helmut Pöschl bedanken wir uns nochmals ganz, ganz herzlich für die Organisation, die Großzügigkeit, die Herzlichkeit, die Spende für die Katarina-Witt-Stiftung und dafür, dass aus unserem Etappenziel München ein so wunderbarer Event entstanden ist. Die BMW-Welt ist nicht umsonst DIE Attraktion in München und wir können jedem nur empfehlen, hier einmal vorbeizuschauen.
26.5.2010 - Etappe 24 - Augsburg - Sulzemoos
Ein gut ausgebautes Fahrradwegenetz erwartet uns auch heute von Augsburg Richtung München. Die grünen Wiesen werden durch gelbe Farbtupfer Löwenzahn und Butterblumen aufgelockert und wir beide sind froh, einfach nur laufen zu dürfen. Das Wetter ist - wie an all den Tagen bisher - schön. Wir starten noch langärmlig, müssen aber bereits beim ersten Treffen mit unserem Fahrer die Kleidung wechseln und Sonnencreme benutzen.
Der Tag hat ziemlich stressig begonnen und genauso geendet. Man merkt, dass wir fast wieder zu Hause sind. Der Organisationsaufwand erhöht sich deutlich, der Termindruck nimmt zu, und zum Relaxen oder gar einmal etwas langsam machen bleibt keine Zeit. Deutschland zu Fuß in 28 Tagen?! Wir sind heute aus den Sportklamotten raus, geduscht, in normale Kleidung rein, geschminkt, gegessen, einen Tagebucheintrag geschrieben, Fotos für die Galerie an unseren Webdesigner Andi Gräber von Moonworksmedia verschickt, Dirndlblusen für den offiziellen Event aufgebüglt; und das in 60 Minuten! Dazu muß man aber sagen, dass meine Schwägerin und Freundin mit fertig gekochter Pasta, einem angeheizten Bügeleisen und zwei bereits hochgefahrenen PC`s in München-Schwabing auf uns gewartet hat. Somit war der Transfer durch die gut belebte Münchner Innenstadt mit das größte zeitliche Problem. Aber Andreas als unser Fahrerer hat uns zielsicher durch die Stadt chauffiert und durch seine Ortskenntnis dem Navi in Punkto schnellste Route Konkurrenz gemacht. Wir können also sehr schnell sein, wenn es drauf ankommt.
Da wir keinen Laptop bei uns haben, sind wir immer darauf angewiesen, im Hotel einen öffentlich zugänglichen PC zu finden, um unser Tagebuch zu schreiben bzw. zu veröffentlichen. Aus diesem Grunde sitzen wir jetzt spätabends noch am Rechner statt längst im Bett zu liegen. Und dabei brauchen wir jede Menge Schlaf, um fit zu sein. Morgen steht uns nämlich ein tolles Etappenziel bevor: wir laufen in der BMW-Welt in München ein. Dort waren wir heute bereits zur Absprache des Ablaufplanes und zur Generalprobe mit Helmut Pöschl und Martin Schoper. Die Gespräche im Vorfeld sind so herzlich, dass wir uns sehr auf den spannenden Tag morgen freuen. Wir werden gegen 11 Uhr am Münchner Marienplatz starten und nach einer ausführlichen München-Stadt-Sehenswürdigkeiten-Nordic-Walking Runde gegen 15 Uhr zusammen mit Katarina Witt am Petuelring erwartet. Wer also noch mitwalken möchte ist herzlich dazu eingeladen! Und wer es nicht erwarten kann, bis wir am Sonntag am Tegernsee ankommen, kann uns liebend gerne auch schon in München empfangen, bevor es übermorgen über das Isartal zurück ins Tegernseer Tal geht.
Wir freuen uns schon sehr auf zu Hause, den Tegernsee und den Sommer in unserer wunderschönen Heimat. Und auf ein großes Tartar im Bräustüberl mit einer Leichten im Biergarten. Lecker! Doch bis es soweit ist, heißt es noch 4 Etappen Nordic Walken. Auf geht`s!
25.5.2010 - Etappe 23 - Jettingen - Augsburg
Und es wir noch heißer. Heute sind es in der Spitze 27 Grad. Die geschnittene Ananas, die Andreas uns am vereinbarten Treffpunkt aus dem Begleitfahrzeug reicht, komplettiert das Sommerfeeling, das sich während des Laufens eingestellt hat. Die Klimabedingungen und das körperliche Befinden von uns beiden ist am heutigen Tage ausgezeichnet. So starten wir fröhlich nach einem ausgiebigen Sportlerfrühstück ab ins Grüne. Unser heutiges Ziel ist die schöne Fuggerstadt Augsburg.
Wir Nordic Walken entlang idyllischer Radstrecken, durch schattige Waldgebiete und entlang sonnendurchfluteter Uferstrecken am Lech. Das sind die Tage für Urlaubswerbeprospekte im eigenen Land. Somit wird auch diese Tagesetappe zur Genießertour. Der Wald strahlt seinen eigenen Zauber aus und wirkt wie ein Märchenwald mit Moos, Pflanzen und Baumbeständen, die für den Betrachter wie eine fabehafte Kulisse erscheinen. Und wie wir da so einherlaufen, müssen Anja und ich wohl einen träumerischen, fast verklärten Blick gehabt haben, denn ein entgegenkommender und scheinbar vom Weg abgekommener Radfahrer fragt uns, ob das die romantische Route wäre.
Lange laufen wir ganz alleine durch`s Gehölz und merken erst später an den sporadisch vorbeikommenden Joggern, dass wir wieder nahe einer Stadt sind. Wir studieren eben den Stadtplan, der sich in unserer Gürteltasche befindet, und marschieren schnurstraks Richtung Innenstadt. Um die Zielkoordinaten noch kurz abzugleichen, und uns zu vergewissern, dass wir noch immer auf dem rechten Wege sind, kommen uns zwei Polizisten gerade recht. Auf unsere Bitte um Hilfe (wir wollten ursprünglich nur nach dem Weg fragen) kommt das Angebot, uns ein Stück weit zu tragen. Klasse. Die Polizei dein Freund und Helfer. Wir denken, die Herren hätten sicher keinen Spaß gehabt, hätten sie uns zwei verschwitze Werbeträger geschultert durch Augsburg schleppen müssen... Deshalb haben wir - obwohl wir kurzfristig über das verlockende Angebot nachgedacht haben - beschlossen, die netten Polizeibeamten vor einem Bandscheibenvorfall durch zu schweres Heben zu bewahren.
Während wir nun unser Tagesziel, Merck Finck & Co. Privatbankiers in Augsburg ansteuern, kümmert sich unser Fahrer ums wesentliche Äußerliche. Nicht nur er selbst gönnt sich einen neuen Schnitt (beim Friseur), sonder auch unser schnittiges Fahrzeug bekommt eine Glanzwäsche. Die optische Erscheinung paßt also, als wir den fröhlich geschmückten Eingangsbereich mit Charity-Walk-Willkommensschildern von Merck Finck passieren. Es gibt frische Erdbeeren und kalte Getränke und jetzt weiß ich, wie Private Banking sich anfühlt.
Am Abend bekommen wir ein First-Class-Menue von Petra und Holger gekocht und es wird das erste Abendessen dieses Jahr im Garten. Die Pasta schmeckt lecker und der Abend im Freien ist gesellig und lustig. Morgen früh kommen wir sicherlich schwer aus dem Bett, obwohl es für uns nur Wasser und alkohlfreies Bier gibt. Ein dickes Dankeschön an die Beiden für die spontane Einladung und die Gastfreundschaft! Wir fanden den Tagesausklang ausgezeichnet und nehmen dafür gerne in Kauf, die ersten Kilometer der morgigen Tagesetappe gähnend zu absolvieren.
24.5.2010 - Etappe 22 - Ulm - Jettingen
Heute ist unser Motto "Keep on Walking". Wir haben Sonne - Sonne - Sonne und das bei 26 Grad und angenehmen Rückenwind. Einfach himmlisch dieses Sommerfeeling! So sind wir flott unterwegs im Alb-Donau-Kreis und machen unseren Leki-Walking-Stöcken mit dem Namen "Speed Racer" alle Ehre. Anja hat noch nicht genug sportliche Auslastung und turnt zwischendurch fröhlich auf einem Trimm-Dich-Pfad herum, der auf unserer heutigen Wegstrecke liegt. Es sind noch gute 150 Kilometer heim, aber wir sind immerhin schon im Freistaat Bayern. Und Bayern zeigt sich heute von seiner allerbesten Seite. In der Natur sprießt und blüht und grünt es mit voller Kraft und wir können es nicht lassen, uns alle paar Meter gegenseitig daran zu erinnern, wie schön es um uns herum ist. Anja und und ich merken, dass wir durch unsere Walking-Touren über Feld-, Wald- und Wiesenwege immer geräuschsensibler werden. Wir geniessen die Klänge der Natur und empfinden den Autolärm sobald wir in die Stadt kommen als noch viel störender. Unglaublich, wie schnell der Mensch sich an seine Umgebung gewöhnt.
Auf unserer Nordic-Walking-Tour treffen wir heute wieder jede Menge Pfingstausflügler auf dem Fahrrad. Ein uns überholdender Radler meint, zum Tegernsee wäre es noch weit. Für uns keineswegs, haben wir doch den Großteil der Wegstrecke bereits hinter uns. Witzig bei der Begegnung ist, dass der Spruch von Anja`s früherem Chef, dem Chefarzt Dr. Zimmer der orthopädischen Klinik in Tegernsee kommt. Und wie es scheint, geben wir ein gesundes Bild ab, denn er fährt wenig später mit den besten Wünschen für die restlichen Tage von dannen.
Heute war für uns der Tag des Schwanes. Wir sehen so viele Schwäne wie noch nie zuvor. Wir glauben, gehört zu haben, dass Schwanen-Paare sich für das ganze Leben binden. Das ist auch so, wie uns Wikipedia verrät. Dennoch sind die meisten Schwäne Einzelgänger. Wir sind der Meinung, das klingt fast menschlich und finden Gefallen an den hübschen Tieren, die so sanft durchs Wasser gleiten.
Der Tag heute ist perfekt, und nicht nur das Wetter ist uns hold, sondern auch Sabrina, die fröhliche Empfangsdame im Quality-Hotel in Augsburg. Mit ihr unterhalten wir uns über Metabolic-Balance und im Nachgang darüber, dass wir jetzt gleich mal einen großen Teller Pasta brauchen. Stoffwechselfördernd hin oder her. Wie in einigen Vorberichten erwähnt, haben wir gut Hunger und zudem Durst wie die Wasserbüffel. Anja hat zusätzlich einen Bedarf an Salz und würzt deshalb zum Naserümpfen aller Köche inzwischen jedes Essen fleißig nach. Beim Essen sitzen wir mal wieder bequem gekleidet in Shirts vom Sansibar-Store in Rottach-Egern. Tino, wir sind ganz happy mit den Polos von Dir und vor allem immer gut angezogen. Und das im Doppelten-Lottchen-Style. Danke, dass Du uns die Was-ziehe-ich-bloß-an-Frage für die komplette Tour durch Deutschland abgenommen hast. Du weißt eben, was Frauen brauchen.
Und das weiß übrigens auch unser heutiges Hotel. Die schöne Sauna mit Dachterrasse hoch über Augsburg hätten wir nicht erwartet. Positiv überrascht lassen wir es uns am frühen Abend gut gehen. Unsere Muskeln bekommen die Wärme, die sie brauchen, unser Körper die Frischluft und unsere Seele die Abendsonne. Es ist ein Traum. Und im Nu fallen die Strapazen der sportlichen Anstrengung der letzten Stunden von uns ab.
Jetzt ist die vierte Woche unseres Projektes "Walken tut Gutes" angebrochen. Walken tut uns noch immer gut, wobei inzwischen zugegebener Maßen auch jede andere Art der Bewegung wohltuend ist. So joggen wir heute das Laktat wieder langsam aus dem Körper und laufen die letzten Meter barfuß auf dem warmen Asphalt. Da wir heute im wahrsten Sinne des Wortes einen richtig guten Lauf hatten, und ebenso gut drauf wie auch schnell waren, sind wir fast ein bisschen enttäuscht, als Andreas mit dem Begleitfahrzeug in Sicht ist. Wir hätten gut und gerne genau so noch stundenlang weiterwalken können. Aber morgen ist ja auch noch ein Tag ...
23.5.2010 - Etappe 21 - Amstetten - Ulm
Es ist Sommer! 22 Grad Sonnenschein. Wir laufen in kurzen Hosen. An diesem Pfingstsonntag heißt es früh raus aus den Federn und per pedes von Amstetten nach Ulm. 30 Kilometer bei herrlichem Wetter, vorbei an knallgelben Rapsfeldern, sattgrünen Maiwiesen und das bei allerbestem Befinden. Fröhlich gestimmt nordic walken Anja und Regina zum Ulmer Münster, während Andreas das Begleitfahrzeug direkt auf dem Marktplatz vor dem Ulmer Wahrzeichen abstellt. Das sorgt für viele Schaulustige und wir verteilen üppig Visitenkarten, die Katja und Thomas von Mail Boxes etc. in Ottobrunn extra für unseren Charity-Walk angefertigt haben. Dabei kommen wir mit etlichen Leuten ins Gespräch und treffen schließlich auf Tegernseer und Schlierseer, die von unserer Aktion bereits mehrfach in der Zeitung gelesen haben.
Erstaunlich ist, dass Viele denken, wir sind gerade aus dem Auto ausgestiegen, weil wir noch so munter sind, und bis auf die verschwitzten Köpfe ganz gut aussehen.
Ja - muß man den total fertig aussehen, damit man glaubwürdig ist?! Überhaupt hören wir immer wieder den Vorschlag, wir können doch, wenn es keiner mitbekommt, abkürzen, weniger laufen oder fahren. An der Stelle sei gesagt: das ist und war zu keinem Zeitpunkt in unserem Sinne. Egal ob uns jemand sieht oder nicht. Wir wollen laufen! Aus tiefer Leidenschaft und purer Überzeugung. Und genau das tun wir seit nunmehr drei Wochen.
Genau aus diesem Grund sind wir jetzt hier in Ulm - der Stadt, die Tradition und Moderne ganz ausgezeichnet verbindet. Wolfgang Dieterich, der Geschäftsführer Ulm-Touristik, trifft sich mit uns und hat für uns Termine mit der lokalen Presse arrangiert. Beate Storz von der Südwest-Zeitung interviewt uns und nimmt sich an diesem Feiertag für unsere Charity-Story Zeit. Der Fotograph hätte gerne Fotos von uns, die dokumentieren, dass wir am Etappenziel Ulm unsere Beine hochlegen. Doch wir hängen sie stattdessen tiefer und plantschen barfuß im Stadtbrunnen. Das kalte Wasser ist eine Wohltat für unsere Füße und die dabei entstandenen Bilder sehen sicher fröhlich aus. (Vorausgesetzt, es sind keine Nahaufnahmen unserer Füße ...) Wolfgang Deiterich überreicht uns anschließend ein Gastgeschenk von Ulm, sowie eine private Spende für die Katarina-Witt-Stiftung. Zudem erfahren wir bei einem erfrischenden Getränk wie nebenbei viel Wissenswertes über die Stadt Ulm. Das Ulmer Münster ist die größte evangelische Kirche und hat weltweit den höchsten Kirchturm (sogar höher als der Kölner Dom). Ulm ist neben einer historischen Stadt mit hübschen Fachwerkhäuschen auch die Geburtsstadt von Albert Einstein. Und das Gebäude, in dem sich die Touristinfo befindet, wurde von einem New Yoker Star-Architekten gebaut. Wir finden das Gespräch nicht nur äußert informativ, sondern auch sehr nett. Somit bleibt Ulm für uns in allerbester Erinnerung und steht für einen Wochenendtrip ganz oben auf unserer Liste.
Nach einer Kräftigung mit leckerem Essen im Fischerviertel geht es zum Schwimmen ins Bad nach Blaustein. Dort bekommen unsere Muskeln wieder eine andere Bewegung und unser Fahrer seine heutige Sporteinheit. Im Anschluß gönnen wir uns noch einen Saunagang, damit es sich mogen beim Loslaufen nicht wieder so anfühlt, als hätte ein Kobold heimlich nachts unsere Sehnen - insbesondere am Schienbein - verkürzt.
Im Hotel Löwen in Wiblingen angekommen, stellen wir fest, dass jeder Fahrer seine ganz speziellen Qualitäten hat. Seit Andreas uns begleitet, wissen wir, was im Fernsehprogramm läuft. Was ein Glück, dass selbst unser Begleitfahrzeug mit einem TV ausgestattet ist...
Nach einem Abendessen mit schwäbischen Leckerein draußen im Biergarten, zu dem wir von Familie Geiger, den Inhabern des geschmackvollen, hochwertig ausgestatteten und sehr freundlich geführten Hotels eingeladen werden, geht es ab in die Koje. Morgen steht wieder eine lange Etappe mit vielen Kilometern Nordic Walken auf dem Plan. Umso schöner ist es, dass wir uns dank des guten Essens und der herrlich bequemen Betten prima erholen können.
Wenn das Weter so bleibt, kommen wir auch erholt am Tegernsee an und können beim Zeileinlauf mit der klassischen Sportlerbräune aufwarten: Anja braun, Regina rotbraun an den Unterarmen bis zum Handschuh, an den Beinen vom Knie bis zum Sockenansatz und im T-Shirt-Ausschnitt am Hals. Schon heute sehen wir durch die Sonneneinstrahlung aus wie Streifenhörnchen ...
22.5.2010 - Etappe 20 - Stuttgart - Göppingen
Nachdem wir das Gefühl haben, dass gestern durch die Massage unser System komplett heruntergefahren ist, sind wir heute beim Frühstück ziemlich müde. Auch das Loslaufen fällt schwerer als sonst. Alles tut weh. In den drei Wochen bisher haben wir festgestellt, dass wirklich kein Tag wie der andere ist. Biorhythmus, Wetter, Essen, Psyche - all das spielt eine große Rolle, was die sportliche Fitness und Tagesform angeht. Naja; und heute sind wir eben etwas langsamer als normal. Anja fühlt sich wie Momo und meint, noch einen Schritt langsamer und wir laufen rückwärts. Seltsamerweise überholen wir dennoch Spaziergänger auf unserem Weg.
Damit das morgen alles wieder etwas flotter geht, werden wir gleich mal nach einer Sauna Ausschau halten, um unsere Muskeln zu lockern. Wegen der Wärme brauchen wir die Sauna heute nicht. Es ist richtig warm hier und der Schweiß läuft mitsamt der Gruber-Sonnencreme in wilden Sturzbächen unter unseren Trikots. Die Sonne hat Kraft und scheint extra für uns. Letztendlich sind es auch die Sonnenstrahlen und die Landschaft, die uns am heutigen Tag vorantreiben. Anja wirft bei jedem weiteren Radweg-Hinweisschild ein, dass sie jetzt schon längst den Aus-Knopf beim Laufband gedrückt hätte, und runtergestiegen wäre. Aber es hilft alles Nichts. Wir sind zielorientiert und die angegebenen Kilometer werden gewalkt; dann eben in ungewohnter Geschwindigkeit oder besser Langsamkeit.
Es riecht nach frisch gemähten Gras, an den Fahrradwegen entlang kleiner Flüsse nach Bärlauch und in der Ebene der Wanderwege nach Sommer. Heute hat es genau das Wetter, welches wir uns für unseren Charity-Walk gewünscht haben. Jetzt müssen wir nur wieder zu unserem Power-Walk zurückfinden.
Wie wir schmunzelnd festgestellt haben, können wir uns mit unseren geschundenen Körpern inzwischen nicht mehr für "Germany`s next Topmodel" bewerben. Wir haben blaue Flecken vom Massieren, wunde Stellen von der Reibung des Stockeinsatzes, Blasen an den Fersen, offene Haut vom Pulsgürtel und unsere Füße sind wahrlich auch kein Aushängeschild mehr. Anja erwidert spontan, wir können es ja vielleicht mal bei "Bauer sucht Frau" oder "Junglecamp" probieren ... Somit freuen wir uns nach vier Wochen freiwilliger Auszeit von Manicure, Fußpflege, Friseur, Kosmetik & Co. auf den Luxus, der uns bereits jetzt von einigen Sponsoren nach unserer Rückkehr in Aussicht gestellt wurden.
Da unser Begleitfahrzeug gerade auf dem Weg an den Tegernsee zur Fahrzeugübergabe ist, fahren wir mit Domenico, dem nettesten Taxifahrer Deutschlands, in das Oskar-Frech-Seebad in Schorndorf. Domenico fährt uns nicht nur umsonst (des Charity-Gedankens wegen), sondern spendet auch noch für die Katarina-Witt-Stiftung. Und da soll noch einer sagen, Schwaben wären geizig.
Wir genießen das Element Wasser und die ganz andere Bewegung beim Schwimmen. Einen alkoholfreien Sundowner trinken wir nach der Sauna im großzügig angelegten Saunagarten stimmungsvoll bei untergehender Abendsonne. Peggy, eine Mitarbeiterin aus dem Seebad lädt uns auf eine Grapefruitschorle ein, nachdem wir ihr von "Walken tut Gutes" erzählt haben. Und während wir da so auf der Liege liegen, das erste Mal ein richtiges Urlaubsgefühl in der Magengegend, sagt Anja wie nebenbei: "Herr Doktor - wenn ich so liege - dann geht et ..."
Der Tag ist wie geschaffen zum Nordic Walken. Es ist trocken, hat 16 Grad, die Vögel zwitschern und die Natur lädt zum draußen sein ein. Unser Freitag startet damit, dass wir im Rathaus Sinsheim von Sandra Aisenpreis erwartet werden. Der Oberbürgermeister Rolf Geinert empfängt uns herzlich. Er selbst fährt im August jeden Jahres eine Charity-Radtour (Tour der Hoffnung) für krebskranke Kinder und hat somit Gefallen an unserem Charity-Walk gefunden. Nicht nur das nachfolgende Gespräch macht viel Freude, sondern auch die Gastgeschenke für uns und zudem die Geldspende für die Katarina-Witt-Stiftung. Die Stadt Sinsheim ist die erste Stadt auf unserer Deutschlandtour, die einen Spendenbeitrag leistet und wir finden das ganz großartig!
Der symphatische Tim Kegel von der Rhein-Neckar-Zeitung macht Fotos und eifrig Notizen und wird morgen, so sagt er, ein paar sportliche Zeilen über uns veröffentlichen. Somit hat das mit der Presse in Baden-Württemberg doch noch geklappt; wunderbar. Am Rathaus Sinsheim ist eine Tafel angebracht, auf der steht "Sinsheim - Ort der Vielfalt". Das können wir nur unterstreichen. Sinsheim ist vielfältig, gastfreundlich und eine Reise wert. Wir danken für die kurze aber einprägsame Zeit in der Stadt mit Herz in Baden-Württemberg.
Heute geht es über Obst- & Wein-Wanderwege vorbei an malerischen Weinbergen. Die noch kargen Weinreben winden sich lieblich in die Hänge und wir hoffen, dass es trotz des Regens und der Tatsache, dass es der kälteste Mai seit Wetteraufzeichnung ist, ein gutes Jahr für die Weinbauern sein wird. Wenn die Weinbergschnecken ein Indikator für die Ernte sind, dann wird diese üppig und reich, soviel goldschimmernde Schnecken in ihrem muschelfarbigen Schneckenhäusern unseren Weg säumen.
Ansonsten denken wir am heutigen Tag viel nach auf unserem Walk entlang der Württemberger Weinstraße. Wir haben 45 Kilometer lang Zeit dazu, und in all den Stunden, die wir zügig voranschreiten, denkt sich schon in einigen Schleifen und Windungen.
Schließlich landen wir beim Charity-Walk und reden darüber, was wohl mit der erlaufenen Summe möglich ist. Durch das Gespräch am Vormittag mit dem Bürgermeister von Sinsheim über die bedrückenden und gleichzeitig motivierenden Eindrücke aus den Kinder-Krebs-Kliniken sind wir darin bestärkt, weiterzulaufen, auch wenn uns etwas weh tut. Es ist wichtig, sich immer wieder darüber klar zu werden, dass unser Einsatz und die damit verbundenen Wehwehchen zeitlich begrenzt sind, aber dazu beitragen, Kindern zu Bewegung zu verhelfen, und ein Lächeln auf deren Gesicht zu zaubern. Der persönliche Kontakt zu Tobias Geißner und Katarina Witt verleiht uns ein gutes Gefühl gemeinsam im Anschluß an unserern Walk die richtigen Projekte zu finden, und mit unserem Spendenbeitrag tatsächlich etwas bewegen zu können.
Wolfgang meint nach dem Abendessen wehmütig, es ist schade ist, dass es schon die letzte Nacht mit uns ist. Das finden wir auch! Wolfgang ist der perfekte Begleiter für überall hin. Großzügig - Großherzig - Großartig. Und auch mit ihm ist die Zeit viel zu schnell vergangen. Morgen schon steht der nächste Fahrerwechsel an. Dieses Mal ist es aber der letzte für die letzte Laufwoche, die noch vor uns liegt. Bei der gemeinsamen Routenplanung für die kommenden Tage stellen wir fest, es geht in schnellen Schritten südwärts!
Zum Ausklang eines langen, sportlichen Tages hat Wolfgang uns eine Medical-Wellness-Massage bei Milena gebucht. Sie geht beim Massieren in die Tiefe und versucht zu lösen, während wir versuchen, nicht zu jammern oder schreien. Schön ist das nicht, aber nach einer Stunde entspannende Quälerei fühlt sich zumindest alles wieder so an, als würde es dahin gehören, wo es jetzt wieder ist.
Müde vom Tag fallen wir inzwischen in Stuttgart im Hotel Azenberg angekommen ins Bett. Wir schlafen wie immer gleich nach dem Essen ein und haben wie immer eine unruhige Nacht vor uns, da unser Körper auf Hochtouren arbeitet und versucht zu regenerieren. Währenddessen kümmert sich das freundliche Personal sozusagen übernacht um unsere Wäsche. Die Reinigung unserer kompletten Sportbekleidung geht auf`s Haus. Darüber freuen wir uns sehr. Und noch viel mehr freuen wir uns auf ein reichhaltiges Frühstück am nächsten morgen, denn eins haben wir jeden Tag: einen Mords-Hunger.
20.5.2010 - Etappe 18 - Heidelberg - Sinsheim
Nass. Pitschnass. Matschig. So beenden wir unseren Nordic Walk von heute. Unsere Turnschuhe und Hosenbeine sehen aus, als wären wir beim Schlammcatchen gewesen. Aber jetzt von Anfang an. Wir starten am Rathaus in Heidelberg nachdem wir von der Redakteurin der Rhein-Neckar-Zeitung versetzt werden. Nach Rückfragen bei der lokalen Zeitung erfahren wir, dass der zugehörige Fotograph den Termin erst viel zu spät in seinem Terminplaner vermerkt hat. Wolfgang, in seiner Funktion als unserer Fahrer und unser Manager on-duty, macht den Damen und Herren von der Presse klar, dass wir einen straffen Zeitplan einzuhalten haben. Also wird nicht lange gefackelt und los geht`s. Dann eben heute eine Tagesetappe in Baden-Württemberg ohne Printmedien.
Wir laufen am Neckar den Neckartal-Radweg flußaufwärts Richtung Odenwald. Die Streckenführung ist wunderschön und die Landschaft sieht aus, als könne man sie maßstabsgetreu für die Modelleisenbahn nachbauen. Einfach bildschön die Häuser, Kirchen, Burgen und Bäume entlang des Flußufers. Nachdem wir bei Nieselregen gestartet sind, hat der HImmel nun so richtig seine Schleusen geöffnet. Inzwischen gibt es keine trockene Stelle mehr an unserem Körper. Dicke Tropfen fallen vom Schirm unserer Basecaps, während der Blick durch die regennasse Natur schweift. Links von uns am Neckarufer steht das hohe Gras saftig auf den weitläufigen Wiesen mit vielen kleinen Obstbäumen durchwirkt, rechts unseres Weges am Waldrand leuchten Farne, Efeu und Moos dank der Feuchtigkeit in sattem Grün. Der Mai ist einfach ein wunderschönen Monat und für ein Vorhaben wie dieses ideal. Auch der Regen tut dem Empfinden keinen Abbruch.
Wir haben heute übrigens unseren Brückentag. Brückentag nicht etwa wegen eines Feiertages oder gar weil wir nicht laufen. Sondern deshalb, weil wir mehrmals von rechts nach links und wieder zurück an das Neckarufer wechseln, welches jeweils mit dem schöneren Abschnitt des Radwanderweg aufwarten kann. Und dafür muss man eben allerhand Brücken überqueren. Somit laufen die Kilometer und Stunden unter unseren Stöcken auch heute gefühlt sehr schnell vorüber. Während wir so nebeneinander her walken grübeln wir darüber nach, wie wir unsere Gruppe nennen wollen, die mit uns Anfang Juni zum Start beim Nordic-Walk-Oberland antreten wird. Dabei stellen wir fest, wie praktisch es während unserer Vorbereitungszeit war, den kreativen, spontanen und hilfsbereiten Grafiker Matthias Erhardt stets auf Abruf an unserer Seite gehabt zu haben. Ohne ihn wären so viele unserer Ideen nicht so gut in die Tat umsetzbar gewesen. Mit seinem Grafikhaus und seiner großen Geduld hat er uns von Anfang an unterstützt und uns geholfen. So wie es aussieht, werden wir ihn wohl die Tage mal anrufen bezüglich eines Logos für die Sylt-Tegernsee-Startgruppe...
Nachdem wir viele Nachfragen bekommen, wie es uns gesundheitlich geht, insbesondere von allen Lauftagebuch-Leser, die mit uns mitfiebern, sei nur gesagt: wir sind wohlauf und bester Dinge. Vorhin sind wir nach unserem Strecken-Tagespensum bei Burger King eingekehrt (was zugegebener Maßen ernährungstechnisch nicht der Knaller ist) und haben die Kalorien, die wir gerade mühsam abgelaufen sind, wieder zu uns genommen. Pommes mit Ketchup und Majo stehen auf der Nahrungskette sicherlich nicht ganz oben. Aber die salzigen Kohlenhydrate mußten grad eben sein, bevor wir uns heute einen kurzen Nachmittagsschlaf gönnen. Inzwischen hat es aufgehört zu regnen, der Himmel bleibt graubewölkt und wir bleiben heute abend trocken und warm in unserem schönen Hotel mit dem freundlichen Service in Sinsheim. Das Abendessen wird vom Hoteldirektor Steinmeyer übernommen und wir danken ganz herzlich für die großzügige Gastfreundschaft und das tolle Ambiente. Das Hotel Sinsheim ist modern und dennoch gemütlich, ungewöhnlich und außerordentlich freundlich und bleibt dadurch in allerbester Erinnerung. Wolfgang kommt auch gerade zurück, während ich hier am öffentlich zugänglichen Laptop sitze und Tagebuch schreibe. Er hat das Begleitfahrzeug auf Hochglanz poliert (nachdem auch er heute Offroad-Matsch-Straßen und Fährpassagen hinter sich hat), damit wir uns morgen früh beim Termin in der Stadtverwaltung Sinsheim von unserer glänzenden Seite präsentieren können.
19.5.2010 - Etappe 17 - Darmstadt - Heppenheim
Durch Hessen sind wir durch. Wir starten in der Wissenschaftsstadt Darmstadt und laufen entlang des hessischen Radfernweges in der Ferienregion Bergstraße. Lange Passagen geht es heute entlang der Straße und das durchgängig bei Mai-Sprühregen. So fühlt sich das also an, wenn man bei Regen laufen muß. Wir sind froh, dass wir in den fünf Stunden nicht bis auf die Knochen durchnässt sind und Jako so geniale Regenjacken hat. Auch der eigentlich für den Ironman auf Hawaii konzipierte Marathon-Schuh von Zoot besteht den Pfützentest in Hessen. Das Wasser läuft rein aber auch genauso schnell wieder raus. Allerdings besteht der Unterschied vom Charity Walk Deutschland zum Triathlon im pazifischen Ozean darin, das es kein Meerwasser ist, mit dem unsere Füße in Berührung kommen, und der Schuh auf Hawaii sicherlich schneller wieder trocknet als bei 9 Grad in Deutschland. Trotz des Regens von oben haben wir aber Glück und das uns umgebende Gelände liefert viele positive Impulse. Es stehen prächtige Obstbäume auf den weitläufigen Feldern, Brombeeren am Wegesrand und Weinreben in der Ebene runden das Bild ab. Wir nordic walken durch kleine Ortschaften, über verschiedenste Bodenbeläge und vorbei am Haus der Familie "Walk". Den Namen fanden wir so passend, dass wir für einen Foto- und Trinkstop in deren Vorgarten stehen bleiben.
Unterwegs treffen wir heute wieder mehrere gesprächige Menschen. Die meistgestellte Frage des Tages ist "Stimmt das wirklich, was bei Euch hinten drauf steht? Von Sylt nach Tegernsee?" und gleich im Nachsatz : " Das ist aber weit..." Das stimmt wohl. Wenn man aber bedenkt, dass wir schon mehr gelaufen sind, als wir noch vor uns haben, und die Tage bis zu unserem Zieleinlauf am Tegernsee weniger sind als die Tage, die wir schon unterwegs sind, scheint es doch nicht mehr so weit zu sein. Anja gibt dessen ungeachtet gut Gas. Sie hat abends einen privaten Termin in Heidelberg und startet noch ein bißchen schneller durch als sonst . Und das heißt aufgrund Anja`s Beinlänge für mich, die Taktung zu erhöhen.
Wir stellen gegenwärtig fest, dass ab jetzt jeden Tag ein anderer Körperteil zwickt oder weh tut. Oder wie ein Freund von uns sagte, der selbst den Jakobsweg gegangen ist: "Sorgen muß man sich erst machen, wenn man einen Schmerz verspürt, den man bisher noch nicht kennt." Da uns die heutigen Wehwehchen durchaus bekannt sind, und die Muskeln sich zwischendrin auch schon mehrfach bemerkbar gemacht haben, Nordic-Walken wir munter weiter drauf los.
In Bensheim treffen wir auf Tanja, einer Freundin und Verwandten, die in der Region lebt. Sie hat eigentlich nach unserem Begleitfahrzeug Ausschau gehalten. Wir sind ihr auf unserer Walkingroute sozusagen direkt über den Weg gelaufen. Von ihr bekommen ein Heidelberg-Welcome-Geschenk und freuen uns ganz arg darüber, überall deutschlandweit willkommen zu sein.
Nach der absolvierten Tagesetappe fahren wir mit unserem Begleitfahrzeug zum Hotel nach Heidelberg. Dort heißt es heiß duschen und wie immer schnellstens etwas essen. Da wir die täglichen Streckenabschnitte stets am Stück durchlaufen, zwischendurch lediglich mit frischem Obst und Fitness-Power-Riegeln versorgt, krachen Anja und ich am späten Nachmittag immer in ein Hungerloch. Deshalb fallen wir im Anschluß an unsere viel zu kurz ausfallenden Streching-Einheiten termitenartig über alles Essbare her. An der Stelle einen lieben Gruß an Swenja. Mach Dir keine Sorgen, wir kommen nicht dünner heim. Wir haben bereits lächelnd festgestellt, dass wir wohl die einzigen Sportler sind, die nach vier Wochen dauerhafter sportlichen Aktivität zunehmen...
Inzwischen hat sich unser Zeit-Raum-Kontinuum gänzlich verschoben. Wir wissen nicht mehr wirklich, welcher Tag heute ist, und laufen in den Hotels wirr umher, bis wir unsere Hotelzimmer finden. Ein Glück, dass Wolfgang uns morgens immer in der richtigen Geh-Richtung am Startpunkt unserer Tagesetappe aussetzt und uns abends am vereinbarten Zielpunkt wieder aufpickt.
Eben beim Essen kam ein Anruf der Rhein-Neckar-Zeitung. Sie wollen morgen eine Redakteurin mit uns mitschicken. Wir freuen uns darauf, mal wieder Begleitung zu haben und wünschen uns das Wetter zurück, welches wir seit Anbeginn unseres Walks hatten. Denn ganz ehrlich: bei Sonnenschein läuft es sich gleich viel leichter!
18.5.2010 - Etappe 16 - Frankfurt - Darmstadt
Heute haben wir die 500-Kilometer-Marke geknackt. Wobei die heutige Tagesetappe nicht ganz jugendfrei ist. Angefangen hat es bereits gestern Nacht. Regina hat einen "erotischen Männer-Alp-Traum" in die Tat umgesetzt. Ich bin mit Strümpfen ins Bett. Nein - keine schwarzen Nylons mit Rundumspitze sondern handfeste weiße Baumwollsocken und darunter dicke Retterspitz-Wickel. Irgendwie müssen die Füße wieder auf Vordermann gebracht werden für den nächsten Tag und die anstehenden Kilometer. Zudem führte uns unsere Route heute von Frankfurt über Wixhausen nach Darmstadt. Dies allerdings nicht auf direktem Wege. So haben wir auf mehreren lehrreichen Walderlebnispfaden die Gegend um Darmstadt erkundet, sind fröhlichen Kindergärtnerinnen mit ihren Kids beim Picknick begegnet und haben nebenbei den Anblick des Mischwaldes in allen Grünschattierungen durchaus genossen. Es roch nach feuchtem Waldboden und die Sonne blitze durch die Baumkronen. Nur der Flugverkehr über uns alle paar Minuten erinnert daran, dass wir uns nahe einer Großstadt befinden. Leider wurde unsere morgens exakt geplante und mit dem Fahrer abgesprochene Wegführung dadurch beeinträchtigt, dass wir eine antiquierte Radwanderkarte bei uns hatten, auf der wesentliche Details (Weggabelungen, Neubausiedlungen) einfach nicht verzeichnet waren. Nachdem wir permanent das Gefühl hatten, im Kreis zu laufen, hat uns diese Tatsache dazu veranlasst, mal wieder nach dem rechten Weg zu fragen. "Als graadauus" hören wir von den ortskundigen Hessen und laufen dabei schon wieder gefühlt im selben Radius. Anja meint, es wäre ihr Karma. Mit ihr müsse man immer Umwege laufen und Extraschleifen drehen. Da sie heute Geburtstag hat bekommt sie von mir einen Laufbonus und die Extra-Kilometer betrachen wir als Schnitzeljagd bei der es gilt, die kleinen, grünen Radweg-Hinweis-Schilder, die gut versteckt und rar gesät sind, zu entdecken.
Für unseren Bewegungsapparat ist die Stecke heute klasse. Es geht großteils über Wald- und Schotterwege und fühlt sich für Beine, Rücken und Schulter deutlich besser an, als das Asphalt-treten die letzten Tage.
Genug um die eigene Achse im gleichen Gebiet gedreht, rufen wir Wolfgang an, der mit Navi blitzschnell zur Stelle ist. Wir trinken zusammen einen heißen Kaffee, er setzt uns wieder auf die richtige Spur und wir Nordic Walken nun nach Darmstadt.
Wolfgang meint, wir laufen einen Affenzahn, jede ihren eigenen Stil, aber zusammen sieht das echt rund aus. Na, das ist doch schon mal was! Nicht nach Hause finden, aber dabei gut aussehen ...
Wolfgang ist ein Genie, was Logistik, Planung und das Auffinden von Nordic-Walkerinnen im Umkreis von 30 km angeht. Er paßt uns alle 5 km ab und guckt nach dem Rechten, Flüssigkeitszufuhr inclusive.
Am späten Nachmittag laufen wir direkt im Hotel unserer Tagesetappe ein. Dort werden wir von der Hotelchefin liebevoll mit frischem Obst, Getränken, Schokolade und vielen aufbauenden Worten empfangen. Wie schön! Jetzt steht noch eine Sportmassage für unsere Beine an. Massiert weden wir übrigens von Roy, einem Banker, der nebenbei in seiner Freizeit massiert. Warum eigentlich nicht?! Es soll ja auch Banker geben, die nebenbei Nordic Walken ...
17.5.2010 - Etappe 15 - Wiesbaden - Frankfurt
Der Tag ist heute sehr schnell an uns vorübergezogen. Vielleicht liegt es alleine schon daran, dass eine Großstadt mit einer höheren Taktung bereits wieder zieht. Die Geräuschkulisse nimmt zu, die Bauten werden höher, die Straßen breiter und die rege Betriebsamkeit reißt uns förmlich mit. Obwohl wir dachten, wir wären langsam, weil unsere getapten Füße sich bemerkmar machen und Reginas Fußgewölbe sich heute nicht wirklich gut angefühlt hat, teilte uns Wolfgang bei jedem Stop mit, dass unsere Grundgeschwindigkeit nicht langsamer ist als die Tage zuvor.
Anja versucht mir auch heute ihre Geschäftsidee "Charity-Paddeling 2011" damit zu verkaufen, dass wir schon wieder entlang eines Flusses laufen. Dieses Mal ist es der Main. Das Wasser im Hintergrund ist seit unserem Start vom Tegernsee über Sylt immer ein guter Motivator für uns. Alles ist fließend, ruhig und in Bewegung.
Als wir in Frankfurt am Gutleutviertel vorbeilaufen überlegen wir kurz, ob es am Tegernsee auch ein Gute-Leute-Viertel gibt und wenn ja, wo?
Nach 30 Kilometer in unserem Tempo treffen wir unsere fröhlich gestimmten Sponsoren der Frankfurt-Etappe. Kornelia und Thilo von Charles Barker begleiten uns zusammen mit ihrer Freundin Christina auf den weiteren 5 Kilometern durch die Stadt und liefern Sightseeing sowie aktives und kommunikatives Cool-Down. Am Römer gibt es einen Fototermin, Wolfgang macht fleißig Stiftungs-Promotion, die Sonne lacht weiterhin für uns und da wir heute noch zwei Termine haben, bleibt der Tagebucheintrag kurz und knackig.
Wir treffen abends neben unseren Sponsoren, die eine Essenseinladung für uns ausgesprochen haben auch Freunde aus alten Zeiten und verbringen einen lustigen Abend beim Italiener in Frankfurt Bockenheim. Ein herzliches Dankeschön für die Organisation und die großzügige Einladung auch auf dem Wege nochmal an Kornelia Spozieja. Im Anschluß wartet beim "Apfelwein Klaus" neben einer geselligen Runde auch die hessische Spezialität Apfelwein auf uns. Für uns Bierwerbeträger und bayerische Mädls schmeckt der Apfelwein ungewöhnlich, sind wir doch sonst mehr Hopfen und Malz zugetan. Müde vom Tag fallen wir kurz vor 12 ins Bett und schwören uns, morgen wieder mehr zu schlafen.
16.5.2010 - Etappe 14 Koblenz - Gemmerich
Wir haben Halbzeit! Und das bei bestem Wetter, Sonnenschein und blauem Himmel in Koblenz. Leider geht es uns heute beiden nicht so gut. Zum ersten Mal auf unserer Tour haben wir beide Schmerzen. Anja kämpft mit Unterleibskrämpfen und Regina hat Magenprobelme. So kommt unsere bislang herumgeschleppte Hausapotheke zum Einsatz. Wir dopen uns mit pflanzlichen Tropfen und Schmerztabletten, bevor wir vor die Hoteltüre treten. Unser Unwohlsein ist auch der Grund, warum unsere tatsächlich gelaufene Etappe von der ursprünglich berechneten abweicht. Wir hatten eigentlich vor, über den Rheinsteig von Koblenz nach Gemmerich zu marschieren. Da wir aber das Begleitfahrzeug für Notfälle in der Nähe wissen wollten, haben wir uns kurzerhand dafür entschieden, am Rheinufer zu bleiben und von Lahnstein nach Sankt Goar an der Loreley zu laufen. Die Entscheidung war goldrichtig. So kann Michael uns alle paar Kilometer mit Cola aufputschen und wir schließlich unsere viel zu warmen Jacken wechseln. Die Sonne scheint uns ins Gesicht und bei 19 Grad am Rhein entlang laufend mit einem bezaubernden Landschaftsbild, das von Schlössern und Burgen geprägt ist, Nordic Walken wir unser heutiges Tagespensum trotz Schmerzen und Kreislaufproblemen, und lassen uns von den Eindrücken des Unesco-Welterbes Oberes Mittelrheintal mitreißen. Die Weinberge von Rheinland-Pfalz, das sanft hügelige Land entlang des Rheinufers und die beschaulichen Städte, die sich wie Perlen an eine Kette reihen, laufen wir Kilometer für Kilometer ab. Die Bäume schlagen aus, alles steht in saftigem Grün und ist mit den Farben apfelgrün oder kiwigrün wohl am besten beschrieben. Am Ufer stehen Hotels mit den Namen Rheingold, Rheinpracht, Rheinlust. Damit ist schon ganz viel unserer heutigen Tagesetappe ausgedrückt: In goldene Sonne getaucht erscheint das Rheintal in seiner ganzen Pracht und macht Lust darauf, es zu Fuß zu durchlaufen. Wobei auch durchfahren laut Aussagen unserer Radfahrerbekanntschaften genauso schön sein soll. Auch heute wieder treffen wir gesellige Radler (siehe auch früherer Tagebucheintrag: Pfälzer = Radvolk) und kommen sozusagen von Stock zu Rad ins Gespräch.
Wir kosten die Sonnenstrahlen Mitte Mai voll aus, haben wir doch heute früh von unseren Lieben zuhause am Tegernsee erfahren, dass sich dort die gefühlte Schneefallgrenze auf Seehöhe befindet. Wir versprechen, uns allergrößte Mühe zu geben, das gute Wetter, welches uns seit zwei Wochen begleitet, Etappe für Etappe mit nach "unten" zu bringen. Anja summt bereits "You always take the weather with you" oder wie mein Kollege Rainer sagen würde: "Die machen dat."
Anja lenkt sich von ihren Schmerzen heute damit ab, dass sie versucht, die Kontraktionen des Trizeps zu zählen. Auf-Zu-Auf-Zu. Ja; nicht nur unsere Beine und der dranhängende Po-Muskel müssen Höchstleistungen erbringen. Auch unsere Arme bleiben davon nicht verschont. Sozusagen Bodybuilding auf der Landstraße. Und dabei geben wir auch noch ein ulkiges Bild ab in unseren Laufhosen. Ich muß bei unserem Anblick immer an den Film "Helden in Strumpfhosen" denken und Anja fühlt sich traumatisch in ihre Kindheit zurückversetzt, was das Tragen von Strumpfhosen angeht. Was für uns beide feststeht ist, dass wir nach den vier Wochen erst einmal eine Pause von den blau-schwarzen Laufbekleidungs-Kombinationen brauchen. Oder vielleicht auch überhaupt vom Laufen?! Na, das wird sich noch herausstellen. Wie eingangs erwähnt, war heute nicht unser bester Tag und doch haben wir unsere 30 km absolviert. Wer zerknittert ist hat ja Entfaltungsmöglichkeiten, sagt der Volksmund. Somit setzen wir auf den neuen Tag im neuen Bundesland. Denn wir sind inzwischen in Hessen.
Abends gönnen wir uns einen Spaziergang zu den Kaiser-Friedrich-Thermen in Wiesbaden mit extra angepassten Einlagen von Schuh Mitterer und dank Dr. Mayring, dem Orthopäden unseres Vertrauens können wir so unsere Füße entlasten.
Apropos Entlasten. Ein herzliches Dankeschön nochmal an unserer Fahrer Michael, der neben erstklassiger Versorgung und Verpflegung auch immer eine gute Figur abgegeben hat. Die vergangenen gemeinsamen Tage haben viel Spaß gemacht und das Anforderungsprofil für die nachrückenden Fahrer wird immer größer. Heute übernimmt Wolfgang den BMW und wird dafür Sorge tragen, dass der kraftvolle Wagen mit einem sanften Schnurren gelegentlich an uns vorbeifährt, um uns beim nächsten vereinbarten Treffpunkt zu versorgen.
15.5.2010 - Etappe 13 - Bad Breisig - Koblenz
Heute früh werden wir in der Lobby unseres Hotels in Bonn/Bad Godesberg angesprochen, da man uns bereits auf Sylt gesehen hat. Wir sind in den Trikots mit den großen Lettern wohl doch ziemlich auffällig, wie wir feststellen. Und auch unser Auto sticht ins Auge, denn wir hören wenig später eine Frau zu ihrem Mann sagen. "Horst, guck mal, ein Auto vom Kathan in Bad Wiessee." Wie sich beim Nachfragen herausstellt, macht das Ehepaar seit Jahren Urlaub am Tegernsee.
Wir sind heute richtige Glückspilze. Denn obwohl es heute Nacht geregnet hat und die Straßen noch nass sind, starten wir von Bad Breisig mit feuchten Sohlen und kommen dennoch trockenen Fußes in Koblenz an. Von all unseren Freunden hören wir, dass es in weiten Teilen Deutschlands dauerhaft regnet und wir sind so dankbar, das wir davon verschont bleiben. Wir können zwischendurch sogar blaue Stellen am Himmel erkennen und gelegentlich blitzen vereinzelt Sonnenstrahlen durch. Die Bedingungen zum Nordic Walken sind also ideal!
Das kann man auch von unserer heutigen Streckenführung sagen, wenn man den Tegernseer Höhenweg gewöhnt ist. Denn mit vollem Magen nach einem üppigen Frühstück geht es gleich bergauf den Rheinburgenweg entlang. Durch schattige Bergtäler und auf einem weichen Waldboden schnaufen wir den Anstieg hoch und unsere Stöcke geben uns Halt. Der Puls pocht, der Schweiß rinnt und nach den Tagen in der Ebene werden jetzt ganz andere Muskelpartien beansprucht. Wir sind uns sicher, dass wir morgen unsere Waden spüren werden. Aber man sagt den bayerischen Frauen ja stramme Wadln nach, also ... was solls. Von hier oben hat man tolle Ausblicke auf das lebendige Rheintal. Die Pfade duch die schönen Laubwälder sind gelenkfreundlich zu gehen, bieten frische Luft und wären perfekt, wenn diese Wege denn auch gut ausgeschildert wären. Das Zeichen an den Bäumen für den Rheinburgenwege blitzt nur gelegentlich auf. Somit drehen wir ein paar Extrameter zwischen Bad Breisig und Andernach und laufen dann in Schleifen mit 20% Gefälle wieder bergab. Also doch wieder entlang des Rheins, oder? Wir fragen uns durch, mimen einen auf Wandertourist, bekehren Jeden, der vorbeikommt mit unserem Charity-Projekt und machen Promotion in eigener Sache. Das Navi nutzen wir nur gelegentlich, schließlich ist nach dem Weg fragen kommunikativer und unterhaltsamer, da es sehr dialektgeprägt ist und man bei der Gelegenheit gleich Land und Leute kennenlernt.
Heute laufen wir meist schweigend nebeneinander her und lassen unseren Gedanken freien Lauf. Wir sprechen oft kilometerlang keinen zusammenhängenden Satz und konzentrieren uns ganz auf uns selbst, die Bewegung und die Natur. Böse Zungen mögen behaupten, dass sie sich Anja und mich gar nicht Mund-haltend vorstellen können. Aber das entspricht wahrlich den Tatsachen, auch wir können gelegentlich einmal nicht reden oder wie einer meiner Seminartrainer einmal gesagt hat: "Die Macht der Stille" auskosten.
Heute gibt es erste Blessuren zu vermelden. Anja ist froh, dass sie von Martin noch einen Schnellkurs in Sachen Tapen bekommen hat, denn sie mußte heute morgen ihre Zehen und Ballen fixieren. Und Regina findet es schade, dass das mit Compeed als Sponsor nicht geklappt hat; denn ab heute werden Blasenpflaster für die Ferse benötigt. So ist das, wenn man den ganzen Tag mit Turnschuhen unterwegs ist und dauernd am Laufen ist. Ein Glück, dass unsere Muskeln noch nicht total beleidigt sind, und unsere Beine uns noch gut und schnell tragen.
Pünktlich zum Wochenende gibt es nach unserer gelaufenen Tagesetappe ein Essen mit Familienanschluß. In der Klostermühle in Obernhof treffen wir Rosi und Heiner und werden mit offenen Armen empfangen. Es gibt leckeres selbstgekochtes Essen, frische Erdbeeren für den Vitaminhaushalt und schließlich eine spritzige Maibowle. Der erste Alkohl nach zwei Wochen knockt uns fast aus. Auf dem Weg ins Hotel im Begleitfahrzeug schlafen wir ein und sind stolz auf uns, dass wir noch die Augen aufhalten können, um das Lauftagebuch zu schreiben. Aber wie wir hören, wird unsere täglicher Trip von Vielen gelesen, somit sind wir natürlich bemüht, auch zeitnah zu liefern. Wobei wir schon zugeben müssen, dass der abendliche Tagebucheintrag das Maximale ist, was nach einem Tag Nordic-Walking mit Worten noch anzufangen ist. Zu mehr bleibt einfach keine Zeit und keine Power mehr. Unser Biorhythmus ähnelt derzeit ziemlich stark dem eines Kleinkindes: Laufen - Essen - Schlafen.
14.5.2010 - Etappe 12 - Bonn - Bad Breisig
Wir starten den Tag mit einer Frischedusche von Sebamed und bedauernd beim Loslaufen am Rheinufer, dass uns unser Sponsor Peter Hubert vom Bräustüberl Tegernsee nur Basecaps mit Logo mit auf den Weg gegeben hat, und keine Mützen. Es ist nämlich ziemlich kalt und nebelig in den Rheinauen. Wir lassen uns keinesfalls davon abhalten, kontinuierlich wie die Lastenkähne, die den Rhein entlang schippen, unser Tagespensum zu laufen. Gottseidank ändert sich die Sorge um die richtige Kopfbedeckung bald, wir frösteln nicht mehr, das Wetter wird milder und die Landschaft lieblicher. Wie bei einer Spielzeugeisenbahn ist die Umgebung entlang des Rheins angereiht mit hübschen Häusern, durchsprenkelt von grünen Bäumen und im bergigen Hintergrund Türmchen und Schlösschen. Es ist herrlich zu laufen und der Duft nach Frühlingswiesen komplettiert den Eindruck. Erste Weinreben deuten darauf hin, was uns ein Schild sodann zeigt: wir sind in Rheinland-Pfalz und haben soeben Nordrhein-Westfalen verlassen. Das Nordic-Walking macht heute wieder großen Spaß und das Vogelgezwitscher begleitet uns in die kleinen Städte auf unserer Tour. In Remagen gönnen wir uns eine Cappuccino-Pause und stehen für ein Telefon-Interview mit Antenne Koblenz zur Verfügung. Ein Glück, dass die Kondition gut ist, und wir beim Sprechen genügend Luft haben. Dennoch merken wir schön langsam, dass wir schon einige Kilometer in den Beinen haben. Sobald wir stehen bleiben und anschließend wieder anlaufen sieht das etwas "unrund" aus, bis wir wieder in der Spur sind. Aber munter geht`s weiter entlang der Radwanderwege.
Die Pfälzer an sich sind, wie wir sogleich feststellen, ein Volk der Radfahrer. Wir begegnen unzähligen Menschen auf Ihren Drahteseln, allerdings kaum Fußgängern. Die verschiedenen Klingeltöne der Fahrradklingeln haben sich in unserem Gehör festgesetzt und ersetzen heute das Klack-Klack der Nordic-Walking-Stöcke.
Unser Begleiter Michael nutzt die drei Tage, die er unser Fahrzeug fährt, für einen Gesundheitstrip. Für Michael ist es ungewohnt, so wenig zu Arbeiten und zu Rauchen und er ist froh, als er seinen Laptop für unserer Tagebuch-Schreibe-Aktion aufbauen darf.
Anja hatte heute die lustige Idee, im nächsten Jahr alle Flüsse Deutschland`s abzupaddeln. Daraufhin hat sie mir nur den Kommentar entlockt: "Du hast auch noch andere Freunde..."
Unser Empfang am Ende der Tagesetappe in der Touristinfo Bad Breisig ist herzlich und wir bekommen eine einen schönen Routentipp für morgen. Somit wird unsere geplante Tagesroute etwas von der im Internet veröffentlichten abweichen. Es geht über den Rhein-Höhenweg und wir werden landschaftlich herrliche Ausblicke haben. (Und ein HInweis für Thommy: wir geben uns größte Mühe, uns morgen durch die Höhenmeter anzustrengen und unsere Pulswerte zu verbessern!)
Und heute enden wir unserem Eintrag mit einem Zuruf, den wir von einer vorbeifahrenden Fahrradgruppe gehört haben: "Gut Lauf noch."
13.5.2010 - Etappe 11 - Köln - Bonn
Wer denkt, dass wir ganz raus aus dem Alltag sind und einfach so in den Tag hinein laufen, liegt definitv falsch. Seit unserem Start Anfang Mai gibt es keinen Tag, an dem wir nicht mit Terminplaner und Handy unseren Tagesablauf koordinieren. Wie weit ist es heute? - Wie lange werden wir dafür brauchen? - Wann können wir zum Sponsoren/Pressetermin am vereinbarten Ort sein? Das sind die Fragen, die uns neben der täglichen Routenabstimmung und Logisitik des Gepäcks zum nächsten Übernachtungsort mit dem Fahrer beim morgendlichen Frühstück beschäftigen. Und wer meint, wir würden gemächlich loslaufen, dem sei gesagt, dass auch das nicht den Tatsachen entspricht. Zumindest bisher auf den versponserten Etappen hieß es frühmorgens raus aus den Federn der zumeist sehr kuscheligen Hotelbetten. Schließlich haben wir noch ganz viel Wegstrecke vor uns, und die will ja bewältigt werden.
Heute abend steht zumdem ein Fahrerwechsel an. Nachdem Gerd uns fürsorglich die letzen zwei Wochen zur Seite stand, Gepäck geschleppt hat, Fotos gemacht hat, und uns chauffiert hat, übernimmt heute Michael den BMW, der noch immer überall wo ihr hinkommen, Aufsehen erregt.
Heute beginnen wir am Kölner Dom. Ein besseres Wahrzeichen für den Start für unsere Tagesetappe konnten wir nicht finden. Es geht runter zum Rhein, immer am Ufer entlang bis Bonn. Mit uns läuft heute Bettina, die schon viel Gutes in ihrem Leben getan hat und im humnitären Dienst in Krisengebieten im Einsatz war. Von unserer Idee des Charity-Walks war sie so begeistert, dass Sie den Feiertag als Gelegenheit nimmt, uns auf den 30 Kilometern der Köln-Bonn-Etappe zu begleiten. Die Gespräche sind bereichernd und wie Anja und ich feststellen sind neue Gesprächsinhalte so erfrischend, dass vier Stunden im Nu vorbei sind. Das Wetter heute ist bedeckt und eher kalt. Dafür lockern die roten Farbkleckse der Mohnblumen am Wegesrand die wolkenverhangene Stimmung etwas auf.
Ein vorbeifahrender Radfahrer will von Anja das Charity-Walking-Projekt ganz genau erklärt bekommen. Seine größte Sorge ist, wer denn die Einhaltung der Inhalte kontrolliert. Bettina meint daraufhin, sie sei vom TÜV Rheinland und läuft mit uns, um die ordnungsgemäße Durchführung und Abwicklung zu überwachen. Spaß sei das keiner, meint sie zwinkernd. Spaß machen uns auch unsere Fettverbrennungswerte nicht wirklich ... nachdem wir im Vorfeld unseres Laufes einen Laktat-Test bei Hans gemacht haben, um unsere optimalen Trainingswerte zu ermitteln, haben wir guter Dinge diesen Nordic Walk angetreten. Aber was die Pulsuhr von Regina angezeigt hatte, war wenig witzig. Bei 4,28 Stunden Nordic Walken mit 7 km/h bin ich 4,26 Stunden im Fitnessereich gelaufen und nur 1,2 Minuten in der Fettverbrennung. Na klasse, ich bin fit aber fett!
Dafür war der Tag heute ein typisch Rheinländischer: unzählige trinkwillige Männer mit Bollerwagen und Angeln feiern am Rheinufer biertrinkend und köllsche Lieder singend Ihre Vaterschaft oder eben nicht. Auch unser Sponsor Thomas-Michael Baggeler entpuppt sich als echter Rheinländer: fröhlich, offen und immer einen flotten Spruch auf den Lippen. Mit seiner innovativen Firma Clean Service Power verfolgt er viele Ziele, die sich mit unseren ideologischen Grundsätzen gut vereinbaren lassen. Wie wir feststellen, hat Clean Service Power in der Firmenphilosophie viele Wertvorstellungen, die auch wir beim Aufsetzen unseres Projektes hatten. Wie schön, dass unsere Sponsoren zu uns passen.
In Bonn angekommen und auf der Suche nach fester Nahrung hören wir von einem Freund, der uns zum Essen begleitet, dass es schwierig werden könnte, ein Restaurant zu finden, denn es ist Feiertag und es ist Bonn ... Immerhin sind wir in der ehemaligen Regierungsstadt und es gibt in jedem nur denkbaren Ort hier eine Konrad-Adenauer-Straße. Zumindest ist das unser subjektives Empfinden, wenn wir an all den Straßenschildern vorbeikommen.
Abends gehen wir noch eben in die Fitness-Factory. Keine Sorge, wir wollten nicht noch zum Trainieren (was Anja durchaus zuzutrauen ist); wir sind mit der täglichen Walkerei absolut ausgelastet. Unsere Muskeln sind der selben Meinung. Aus genau dem Grund waren wir noch dort, um die Sauna zu nutzen. Ohne die Wärme täglich und die Lockerung der beanspruchten Körperpartien würden wir sicherlich nicht so gut durchhalten und vorankommen. Jetzt noch Magnesium, das obligatorische alkoholfreie Bier und ab geht`s ins Bett.
12.5.2010 - Etappe 10 - Düsseldorf - Köln
Geweckt werden wir durch das Gurren von Tauben im parkähnlichen Garten des Hotels mitten in Düsseldorf - und das schon ziemlich früh, da wir zeitig raus müssen, um die Tagesetappe und die Termine heute in Einklang zu bringen.
Wir starten in der Düsseldorfer Altstadt und werden auf die Frage, wo es dann nach Köln geht, erst einmal von einem Düsseldorfer in die falsche Richtung geschickt. Wie wir später gehört haben, sollte man einen Düsseldorfer nie fragen, wohin es nach Köln geht ... Das wissen wir jetzt, 6 Kilometer später und einen satten Umweg in den Knochen. Verdächtig ist uns die Routenführung schon vorgekommen, da der Rhein nach unserem Empfinden irgendwie verkehrt herum floss... Als wir dann einen vorbeifahrenden Fahrradfahrer nach dem richtigen Weg fragen, stellt sich heraus, dass dies ein Reporter ist, der gestern einen Artikel über uns geschrieben hat. So klein ist die Welt. Auch in Nordrhein-Westfalen.
Trotz leichtem Nieselregen und kaltem Wind sind wir heute zügig und laufen immer entlang des Rheins. Die Zeit vergeht wieder sehr schnell, unterbrochen durch vorbeifahrende Schiffe und lebhafte Eindrücke. Heute sind auch jede Menge Hasen unterwegs; und damit meinen wir keinesfalls uns in den großbedruckten Trikots, sondern die kleinen Hasen, die im Landschaftsschutzgebiet über unseren Weg hoppeln. Unsere Tagesetappe entlang der Rheinauen, durch wunderbare Kastanienalleen, vorbei an blühenden Obstbäumen läßt uns sogar über das nicht ganz optimale Wetter hinwegsehen. Denn es bleibt fast trocken und wir kommen gut voran. Laut unserem Navi laufen wir zwischen 6,5 und 7km/h und absolvieren unsere heutige Tagesetappe in etwa 5 Stunden. Die Beine machen noch gut mit und die Laune ist Bestens.
Hungrig fallen wir am Nachmittag bei dem Sponsor unserer Tagesetappe ein. Bei 2fields in Köln erwarten uns ein liebevoller Empfang mit Erdinger Weißbier, Pasta und Obstquark und während wir jetzt das Tagebuch in den Räumen von Thorsten Stenzel schreiben, trinken wir einen Milchkaffee. Nach einem Interview mit der örtlichen Presse geht es ins nächste Hotel für ein weiteres Gespräch. Wir treffen dort eine "gute Fee", die dank ihrer excellenten Organisation und ihrer liebevollen Unterstützung ganz wesentlich zum Gelingen unseres Charity-Walks beigetragen hat. Dafür möchten wir auf dem Weg noch einmal herzlich Dankeschön sagen. Wir freuen uns auf ein Wiedersehen am Tegernsee. Und wir werden nicht müde, zu erwähnen, dass der Tegernsee ein besonders schönes Reiseziel das ganze Jahr über und im Besonderen im frühen Herbst ist. Bei all den schönen Destinationen in Deutschland betonen wir nämlich, dass wir stets Heimatwerbung für die schöne Region rund um den oberbayerischen See machen. Doch genug gelaufen, gesprochen und geworben für heute. Jetzt gönnen wir uns einen Saunagang.
11.5.2010 - Etappe 9 - Essen - Düsseldorf
Ab heute laufen wir wieder gemeinsam! Für Regina geht es frühmorgens mit dem ICE nach Düsseldorf. Der Zug rattert sanft über die Schienen und fährt in gut fünf Stunden die Route fast genau so ab, wie wir sie für uns auf unserem Weg von Sylt nach Tegernsee auf der Landkarte geplant haben. Während die Landschaft an meinem Auge vorbeirast, wird mir bewußt, mit welcher Geschwindigkeit wir oft durch das Leben rauschen und wie sehr wir uns darauf gefreut haben, jetzt `mal für einen Monat eine ruhigere Gangart einzulegen. In 28 Tagen die Republik zu durchqueren - jeden Tag ohne Ruhepause von der Küste an die Berge und wir sprechen dennoch von eine "ruhigeren Gangart"... Daran merkt man deutlich, wie leidenschaftlich gerne wir laufen.
Bei leicht mystischer Stimmung, fast menschenleer, geht es die Ruhr entlang zum Baldeneisee, wo wir freudig feststellen, dass sich auch Andere bei dem Wetter outdoor sportlich bewegen. Kajakfahrer, Kanufahrer und Ruderer sind fleißig am Trainieren. Auf den Beachflags erscheint oft ein großer Energiekonzern mit seinem Slogan "Vorweg-gehen"; das erinnert uns an den Ursprung unserer Idee: vor gehen, um etwas zu bewegen und zeigen, dass man auch mit vielen kleinen Schritten etwas Großes erreichen kann.
Auffällig ist, dass wir in der "freien Wildbahn" eine gute Orientierung haben, uns aber mitten in der Stadt, wo alle 2 Meter ein großes Schild steht, tatsächlich verlaufen können. Bereits vor der Brauerei mit großen Lettern an der der Hauswand stehend, Passanten zu fragen, wo denn die Brauerei Schlösser ist, schieben wir einfach auf unseren dehydrierten Geisteszustand und sind froh, dass Marianne Kock gleich Erbarmen mit uns hat, und uns mit einem Alt-Bier erwartet. Das hilft etwas klarer zu denken und lockert die Zunge für das anstehende Fernseh-Live-Interview mit Center-TV-Düsseldorf.
Wir dürfen den Abend ausklingen lassen im Kreise lieber Freunde, die sich rührend um unsere Versorgen mit Kohlenhydraten kümmern. Wir stellen nach den vier Wochen sicherlich einen Antrag auf zweite Staatsangehörigkeit Italienisch - der guten Küche wegen!
10.5.2010 - Etappe 8 - Recklinghausen - Essen
Auf geht`s in die zweite Woche! Alle Tegernseer fiebern mit uns, weil es in Bayern seit Anfang Mai unaufhörlich regnet - und zwar richtig regnet. Der Wettergott meint es allerdings gut mit uns. Im Ruhrgebiet ist es trocken und sogar mehr als das. Beim Aufstehen und zum Frühstück ist der Himmel bedeckt, doch kaum startet Anja ihre Tagesetappe, kommt die Sonne raus und erhellt auf den circa 4 Stunden, die vor ihr liegen, den Tag. Die heutige Übernachtung war im Residenz-Hotel, das neben dem Hotelbetrieb zugleich ein Seniorenstift beherbergt. Somit beginnt der Tag mit etwas anderen Gesprächen als in den Tagungshotels und zu Milchkaffee und Rührei werden generationsübergreifende Sporterlebnisse erzählt.
Dann geht es auch schon raus ins Freie. Auf den gut ausgeschilderten Wegen, oft entlang eines Kanals, besticht die Landschaft durch die Gegensätze. Das satte Maigrün der Wiesen, Sträucher und Bäume steht im harten Kontrast zu den dampfenden Schloten und den graubraunen Raffinerien. Die Übergänge zwischen den Städten sind in der Kernzone des Ruhrgebiets oft schwer zu erkennen, da sie quer durch dichte Besiedlungen verlaufen. Aber an markanten Posten wie z.B. der Veltins-Arena merkt man doch, wo man sich gerade befindet. Schon witzig, dass uns das Thema "Bier" wohl auf der ganzen Strecke begleitet, wie es scheint. Als Anja das Schild mit dem Hinweis auf die Zeche Zollverein am Wegesrand sieht, ist sie sich sicher, dass es nicht mehr weit ist. Sie genießt die Geräusche der Natur und gleichzeitig den Lärm der Rhein-Ruhr-Region ehe sie einen Fotostop am Weltkulturerbe Zollverein, dem imposanten Industriedenkmal macht. Die Zeche, so steht dort geschrieben, ist offen für Besucher aus aller Welt. So verwundert es nicht, dass unzählige Schüler um die Wette fotographieren und es rund um die ehemalige Schachtanlage und Kokerei recht lebendig und fröhlich zugeht.
Inzwischen befindet sich Anja auch mitten drin im Verkehrsknotenpunkt. Der Ruhrschnellweg ist sicherlich über die Lande bekannter als die Radwege oder gar die Nordic-Walking-Strecken. Das soll uns aber nicht davon abhalten, in Schrittgeschwindigkeit das Ruhrgebiet zu durchqueren. Haben wir dies doch vor einigen Jahren schon einmal gemeinsam gemacht, als wir zu unserem ersten Nordic-Walking-Halbmarathon in Essen zum Start am Gruga-Park angetreten sind. Wir hatten jede Menge Spaß - in dem Fall bei heftigen Regenfällen - und unser Zieleinlauflied "I came for you" von Manfred Man ist seither noch immer unser sportlicher Ohrwurm.
Anja gönnt sich heute abend nach getanem Tagwerk eine ausgiebige Massage. Ein Freund von uns meinte ganz charmant: "Ach, ist das ein Wellness-Walk?" Naja - so genau wissen wir das noch nicht. Momentan fühlt sich alles noch sehr gut an. Der Körper funktioniert und die Seele nimmt alle Eindrücke mit Freude auf. Anja schläft schon und für mich ist das heute der letzte Tag am PC. Ich laufe ab morgen wieder und kann es kaum erwarten. Düsseldorf - wir kommen!
9.5.2010 - Etappe 7 - Dülmen - Recklinghausen
Juhu! Wir haben ein Navigationssystem! Absolut Frauen-Bediener-freundlich: es spricht nicht, maßregelt uns somit nicht, und zeigt uns dennoch den richtigen Weg. Ein herzliches Dankeschön nach Düsseldorf zu Merck Finck für das geniale und praktische Geschenk! Das macht den Routenverlauf der kommenden Etappen deutlich entpannter, vor allem in den folgenden Tagen, wenn wir Anja`s Heimat verlassen, und uns in Gegenden befinden, in denen wir beide als Pfandfinderinnen nicht wirklich geeignet wären. Ich laufe das Navi in heimischen Gefilden Probe, währenddessen orientiert sich Anja so ganz ohne Technik an anderen Anhaltspunkten. Die Autokennzeichen der vorbeifahrenden Fahrzeuge ändern sich und weisen eindeutig auf das Ende des Münsterlandes und den Anfang des Ruhrgebietes hin. Ebenso nimmt die Anzahl der Autobahn-Hinweisschilder rapide zu.
Wenngleich einige Parameter wohl auf das Ballungszentrum "Ruhrpott" hindeuten, ist das Ruhrgebiet allemal eine Entdeckungsreise wert. Die einstigen Werkshallen, Kohlegruben, Fabriken, rauchenden Schlote und Zechen sind einem grünen Landstrich mit jeder Menge Industriekultur gewichen. Und wie steht es so schön geschrieben: die Kraft von Ruhr 2010 ist die Fähigkeit zum Wandel durch Kultur. Aber nicht nur das Weltkulturerbe, sondern ebenso die Auen und Wälder machen das Ruhrgebiet aus. Morgen geht es nach Essen, der Kulturhauptstadt Europas 2010 mit der Zeche Zollverein. Etwas Kultur kann neben der ganzen sportlichen Betätigung in der Flora und Fauna Nordrhein-Westfalens sicherlich nicht schaden.
Der Frühling ist inzwischen unaufhaltsam, die Bäume schlagen aus, der blühende Flieder am Wegesrand wird zum perfekten Muttertagsgeschenk und die Sonne zeigt sich am wolkendurchzogenen Himmel immer öfter. So kommt neben den klassischen Pflegeprodukten von Gertraud Gruber heute zum ersten Mal die Sonnencreme der Kosmetik aus Rottach-Egern zum Einsatz.
Wenngleich die heute absolvierten 32 Kilometer wieder gut zu laufen waren, und die dafür benötigte Zeit sehr schnell verflogen ist, müssen wir uns doch immer wieder disziplinieren, mehr zu trinken. Beim Laufen verspürt man kaum Durst. Dieser wird erst durch die vielen "Trinkhallen" auf dem Weg Richtung Recklinghausen geweckt. Um unseren Flüssigkeitshaushalt auf Vordermann zu bringen, trinken Anja und ich zeitgleich ein Erdinger alkohlfrei während wir den Tag Revue passieren lassen. Anja nach ihrer Tageseinheit Nordic Walking und ich beim Lauftagebuch schreiben vor dem Computer. Warum wir gerade Bier trinken? In erster Linie wegen der Zufuhr der Elektrolyte (versteht sich), dann natürlich wegen unserer Sponsoren und nicht zuletzt wegen unserer bayerischen Herkunft. Irgendwie müssen Klischees ja bestätigt werden und schließlich können wir nicht den ganzen Tag im Dirndl Nordic Walken...
8.5.2010 - Etappe 6 - Münster - Dülmen
Obwohl wir Bayern am Tegernsee begnadet leben, und oft auf der Sonnenseite der Wetterkarte stehen, stellen Anja und ich heute fest, dass sie das deutlich bessere Los gezogen hat. Während ich bei heftigen Regenfällen, die in keinster Weise etwas mit einem erfrischenden Mairegen zu tun haben, genügend Zeit habe, unsere Projektarbeit am PC zu verrichten, läuft Anja die 33 Kilometer lange Tagesetappe von Münster nach Dülmen bei gutem Laufwetter. Es ist zwar bewölkt aber trocken, und die leuchtend gelben Rapsfelder sorgen für perfekte Stimmungsaufhellung.
Nachdem es gestern abend eine Sportlermassage für die Beine gegeben hat, machen sich heute die Muskeln an den Schienbeinen noch etwas mehr bemerkbar und Anja startet mit schweren Beinen und vorsichtshalber in flauschigen Falke-Sportsocken. Doch das wird beim Laufen an der frischen Luft rasch besser. Irgendwie ist Nordic Walking schon immer das perfekt Heilmittel gewesen für Alles, was sich gerade nicht so gut anfühlt.
Anja vertraut auch heute lieber wieder der guten alten Landkarte, als den Koordinaten der GPS-Geräte und marschiert strammen Schrittes auf dem gut ausgebauten Wegenetz des Münsterlandes vorbei an saftig grünen Wiesen und dottergelben Rapsfeldern. Die Bilderbuch-Landschaft wird nur durchbrochen durch große Gehöfte und weitläufige Pferdekoppeln, was die Idylle noch komplettiert. Der heutige Tag steht ganz im Zeichen von Nature & Wildlife, denn bei einem Eichenwäldchen raschelt es verdächtig im Unterholz. Anja tippt auf ein Wildschwein und einigt sich darauf, dem Schwein nichts zu tun, wenn dieses wiederum ihr nichts tut. Der Deal geht auf und die Konfrontation mit einem wildgewordenen Schwein bleibt aus. Dafür entdeckt Anja wenig später einen Fasan, der eigentlich ein Meister der Deckung ist. Anders als wir zwei schrägen Wandervögel ist der Fasan ein Standvogel, der sein gewähltes Revier ein Leben lang bewohnt. Und Fasane übernachten meist auf Bäumen. Wir aber haben das Glück, in schönen Hotels zu übernachten, die uns alle von tiscover zur Verfügung gestellt wurden.
Anja und Gerd nutzen die Heimatnähe heute aus, um im "Hotel Mama" einen Zwischenstop einzulegen. Nachdem die Tagesetappe bei einem frühen Start sehr schnell gelaufen war, ist die übrige Zeit gerade Recht, um Zuhause bei den Eltern eben eine Waschmaschine anzuschmeißen. Ja; auch das ist ein logistisches Thema. Die Sportklamotten müssen gewaschen werden, und ständig die Hotelwäscherein damit zu beauftragen ist aufwändig und kostspielig. Aus diesem Grund ist der vorgezogene Muttertags-Besuch liebevoll und praktisch gleichermaßen.
Während ich hier am Tegernsee sitze und schreibe, habe ich Fernweh. Ich bin froh, wenn auch ich wieder mit Anja auf die Straße komme und wir unsere gemeinsame "Vagabunden-Tour" fortsetzen können. Es macht Spaß, die Republik zu Fuß zu durchqueren, denn Deutschland ist so schön!
7.5.2010 - Etappe 5 - Ladbergen - Münster
Irgendwie führt der Weg selten geradeaus wie es scheint. Regina muß aufgrund der aktuellen geschäftlichen Situation dringend kurzfristig nach München reisen und setzt sobald wie möglich wieder ein. Es ist schade, aus dem sich einstellenden Laufrhythmus herausgerissen zu werden, und ich hoffe, dass ich schnellstmöglich wieder an Anja`s Seite durch das schöne Deutschland nordic walke. Mir fehlen also ein paar Kilometer und verbrannte Kalorien auf meiner Polar-Pulsuhr, ich werde wohl bei einigen kommenden Etappen noch eine Extrarunde dranhängen müssen...
Währenddessen läuft Anja durch ihre alte Heimat und schwelgt in Erinnerungen. Münster und das Münsterland kennt Anja so gut wie ihre Westentasche; hat sie doch dort Ihre Jugend verbracht. Aus diesem Grund bleibt das GPS sowie der Routenplan heute im Koffer.
So kommt es, dass sich unsere Projektarbeit für den Tag aufteilt: Anja läuft und Regina kümmert sich um weitere Orga und noch Ausstehendes. Emails werden beantwortet, Gespräche geführt, zwei weitere Sponsoren akquiriert. In der Zeit ist Anja für die Kalorienverbrennung zuständig. Das Lauftagebuch schreibe ich schließlich per "Ferngespräch". Wie ist es nur früher ohne Handy gegangen?
Gut, dass Papa Gerd unser Begleitfahrzeug fährt. Mit Anja`s Vater haben wir einen Fels in der Brandung, einen zuverlässigen Aufpasser und einen warmherzigen Beschützer, der stets schnell zu Stelle ist. Das beruhigt insbesondere in diesen Zeiten, wo Anja alleine ist.
Anja macht heute einen Materialtest. Beim ersten Regentag kommen die Regenjacken von Jako zum Einsatz und erweisen sich - wie unsere komplette Bekleidung von Jako - als erstklassig. Roeckl hat uns die Nordic-Walking-Handschuhe mit auf den Weg gegeben, welche eigentlich vorrangig die Blasenbildung verhindern sollten. Heute halten sie die Hände warm und bestehen den Nässetest ebenfalls mit Bravur. Und was die Schuhe angeht: unser Laufschuh von Zoot heißt Energy und läuft sich wie ein Hausschuh. Nur Barfuß-laufen ist schöner - bringt aber nicht so viel Energie auf die Straße! Und nebenbei bemerkt sieht der Zoot-Schuh auch noch trendig aus, was für uns Frauen bei der Schuhauswahl ein nicht zu vernachlässigendes Kriterium ist ...
Was wir sehr schön finden, sind die Kontakte, die wir knüpfen, seitdem wir den Charity-Walk ins Leben gerufen haben. Bislang haben wir auf unserer Strecke viele Einladungen und herzliche Begegnungen gehabt. Wir hatten fröhliche und tiefsinnige Gespräche gleichermaßen und haben so Manchem "einen Floh ins Ohr gesetzt", was neue Ideen und Projekte angeht. Vielleicht gibt es auf Sylt demnächst einen Schlemmer-Walk oder andere Walking-Events in den Städten, die wir durchlaufen?! Wir fänden das klasse - und selbstverständlich kommen wir gerne zum Mitwalken!
Apropos Mitwalken: Am 6. Juni, dem Sonntag am Wochenende nach unserer Ankunft in Tegernsee werden wir den Nordic-Walk Bayerischzell-Schliersee mitlaufen. (www.nordic-walk-oberland.de) Dies würden wir liebend gerne in Begleitung tun. Vielleicht läßt sich einen "Sylt-Tegernsee-Walking-Gruppe" gründen und wir finden viele Mitläufer? Wir hoffen ja, dass unsere Füße uns bis dahin noch tragen und zählen insgeheim auf den Schwung, den wir von unserer Deutschlandtour mitbringen. Wer also Lust auf eine wunderschöne Naturrunde vor herrlicher Kulisse mit bayerischen Schmankerln hat, soll sich uns anschließen. Wir würden uns riesig darüber freuen! Doch bis dahin liegen jetzt erst mal noch 23 Etappen und insgesamt knapp 800 Kilometer vor uns.
6.5.2010 - Etappe 4 - Osnabrück - Ladbergen
Wer vom Jakobsweg hört, denkt meist an die inzwischen weltberühmte Pilgerroute, die quer durch Spanien führt. (Hape Kerkeling`s Spruch aus seinem Buch über den Jakobsweg "Ich bin dann mal weg..." liegt uns übrigens auch gelegentlich auf der Zunge.) Aber was man oft nicht weiß ist, dass Teile des Jakobsweg-Wegenetzes auch durch Deutschland führen. Zwischen Osnabrück und Münster folgt der gekennzeichnete Jakobsweg den Spuren eines uralten Handelsweges, der sich von Hamburg und Bremen über Osnabrück hinzog.
Und so läuft der heutige Weg, der durch Schilder an Bäumen und beschrifteten Steinen als Jakobsweg markiert ist, durch abwechslungsreiche Landschaften und ebenes Münsterland. Auf diesem Wegesabschnitt bleibt tatsächlich ausreichend Zeit zum Nachdenken. Somit erfüllt sich der ursprüngliche Gedanke, den Jakobsweg zu laufen, auf ganz andere Weise.
Was wir in all den langen Monaten der Vorbereitung investiert haben, wieviel Herzblut in diesem Projekt steckt, welche Organisation und Zeit im Charity Walk beinhaltet ist, wird uns in solchen ruhigen Phasen erst richtig bewußt. Und dennoch vergeht kein Tag seit Entstehen dieser Idee, an dem wir uns nicht auf den nächsten freuen. Selbst in den letzten Wochen vor unserem Start, als wir oft nicht wußten, was wir wann und wie zuerst machen sollten, haben wir uns immer auf`s Laufen gefreut. Einfach einen Schritt nach dem anderen gehen, einen Fuß vor den anderen setzen und immer ganz bei uns bleiben. Das war wohl unser Geheimnis.
Aus heutiger Sicht sind wir froh, dass wir den Zweiflern nicht Recht gegeben haben. Wir sind stolz darauf, dass wir unser Projekt tatsächlich in die Tat umgesetzt haben, und dabei viele Menschen an unserer Seite hatten, die an uns geglaubt und uns unterstützt haben. Es erfüllt uns jeden Tag mit Freude, Begeisterte zu finden, die uns auf unserem Weg begleiten, und Freunde zu haben, die an uns denken.
Der heutige Eintrag klingt ziemlich ernsthaft - nach Jakobsweg eben. Es scheint, als wäre das dann wohl eine der meditativen Tagesetappen des bisher so lebhaften Auftaktes unseres Walks durch Deutschland.
5.5.2010 - Etappe 3 - Bremen - Wildeshausen
Heute erleben wir Natur pur auf dem Weg von Bremen durch den Naturpark Wildeshauser Geest über Delmenhorst nach Wildeshausen. Darüber hinaus zeigt sich der Monat Mai von seiner allerbesten Seite. Die etwas über 30 Kilometer laufen sich deshalb fast von selbst entlang der gut ausgebauten Fahrradwege durch malerische Wälder, vorbei an Bächen, idyllischen Flüsstälern und allem, was blüht.
Da die Etappe sehr entspannt ist, und wir ohne Mitwalker an unserer Seite unser gewohntes Tempo laufen, haben wir ausreichend Zeit, die gesponsorten Powerriegel von Xenofit und Powerbar, die wir in unseren Hipbags mit uns tragen, zu testen. So wird das mit den verlorenen Kalorien wohl nichts werden, aber für Produkttests sind wir künftig bestens geeignet.
Auch wenn die Etappe sich bei Sonnenschein keinesfalls anstrengend anfühlt, und sich die Bedingungen für`s Nordic Walking ideal darstellen, sind wir doch froh, dass wir unsere Füße in den nächsten Tagen bzw. Wochen niemandem zeigen müssen, denn für Peeptoes oder Riemchensandalen reicht es schon jetzt nicht mehr. Was für ein Glück, dass sich nach unserer Ankunft Ende Mai bereits jetzt ein Sponsor für unsere Fußpflege gefunden hat! ... Und bis dahin müssen wir mit Pflegeprodukten von Sixtus überbrücken...
4.5.2010 - Etappe 2 - Hamburg
Wir sind voller Euphorie - was für ein Tag! So etwas hat man wohl nur ein mal im Leben.
Wir starten als lebende Litfass-Säulen mit unseren bedruckten Trikots und Basecaps bei steifer Briese aber bester Laune unsere 30-km-Walking-Rundtour durch die wunderschöne Hansestadt. Hamburg schnellen Schrittes zu Fuß: Hafencity, Fischmarkt, Außenalster, Binnenalster, Speicherstadt, Gänsemarkt - und das inzwischen bei Sonnenschein. Es fühlt sich an, als würden wir die Sonne mit uns nehmen und wir hoffen, dass das auf unserer Reise durch Deutschland so bleibt. Unterwegs treffen wir jede Menge Jogger und und als wir den ersten Nordic Walker sehen, sind wir froh, am Stock gehend nicht alleine zu sein.
Kati Witt treffen wir kurz am Bahnhof, bevor sie später mit uns in Begleitung eines Kamerateams zum Rathausplatz läuft. Sie ist zum ersten Mal mit Nordic Walking Stöcken unterwegs und erfreut über die stylishen Instruktor-Stöcke von Leki. Kati`s Humor ist anstecken, so dass wir drei Frauen jede Menge Spaß auf der gemeinsamen Wegstrecke haben. Und hätten nicht so viele Schuhgeschäfte unseren Weg gesäumt, wären wir auch pünktlich am Rathausplatz angekommen... Unser Tagessponsor Munters heißt uns mit einer netten Delegation vor dem Rathaus willkommen. Der folgende Pressetermin mit Herrn Dr. Jäger, dem Staatsrat für Sport in Hamburg wird begleitet durch viele Journalisten und Fotographen. Was für ein Gefühl im Blitzlichtgewitter der Fotoapparate zu stehen! Wobei wir festgestellt haben, dass das ständige Lächeln fast anstrengender ist, als das Laufen. Wahrscheinlich liegt es daran, dass unsere Beinmuskulatur besser trainiert ist ...
3.5.2010 - Etappe 1 - Sylt
Wir wachen auf durch das leise Geräusch von Regentropfen auf der Fensterscheibe.
Um 9 Uhr gehts zur "Sturmhaube" in Kampen, dort wartet Sylt-TV auf uns für ein Interview. Gleich darauf folgen die wetterfesten Nordic Walkerinnen von Westerland und Wenningstedt, die uns auf unserer Inseltour begleiten. Es regnet nicht mehr, aber der Wind macht dem Ruf der rauhen Nordsee-Insel alle Ehre. Wir haben zwei Nordic-Walking-Trainerinnen bei uns, und unser "mobiles Navi auf zwei Beinen" leitet uns durch die Dünen am Strand entlang nach Westerland. Es riecht nach Meer und das Geräusch der Wellen, die ans Ufer branden sind eine wunderbare Einstimmung auf unsere bevorstehende Reise von Nord nach Süd durch die Republik.
Georg Overs von der TTT begleitet uns, er läuft in Lederhosen und Haferlschuhen und präsentiert Bayern, während wir auf unseren Trikots die Tagessponsoren ersichtlich mit uns rumtragen. Gemeinsam geht es nach einigen Fotostops und einer Getränkepause (in dem Fall mit heißen Getränken) untermalt vom gewohnten Klick-Klack der Nordic-Walking-Stöcke die Friedrichsstraße entlang zur "Sylter Salatbar". Der Empfang bei unserem Tagessponsor ist herzlich, die versammelte Sylter Tagespresse ist vor Ort und einige bekannte Gesichter vom Tegernsee heißen uns willkommen.
Wie wir bereits an unserem ersten Tag feststellen, muß man schon umarmungsresistent sein, um all die lieben Wünsche und Begegnungen aufnehmen zu können. Dabei ist es erst der Start und es fühlt sich schon so bewegend an. "Wir bewegen uns, damit wir was bewegen" ... mit diesen Worten hat unser Charity-Walk vor etlichen Monaten laufen gelernt. Damit fing alles an.
Leider müssen wir aber schon wieder runter von der Insel - zugegeben, wir waren kurz versucht, die kompletten 28 Tage auf Sylt zu verbringen...
Nach der Zugfahrt mit der Nord-Ostsee-Bahn über den Hindenburgdamm in Hamburg angekommen bleibt uns genau Zeit für einen Saunagang zum Aufwärmen. Denn dann geht es auch schon zum Abendessen im Hamburger Hafenviertel. Bei Pasta im "Lust auf Italienisch" plaudern wir über Tegernsee und Hamburg im Allgemeinen und Katarina Witt im Besonderen.
Morgen früh wartet die Hansestadt auf uns. Nordic-Walking mit Sightseeing inclusive; was kann es Schöneres geben?
2.5.2010 - Etappe "Rund um den Tegernsee"
Los geht`s mit unserer "Safety-Car-Runde" um den Tegernsee. Es regnet und der Wallberg ist wolkenverhanden. Wir hadern noch, ob wir die Schuhe unseres Schuhsponsors Zoot tragen können, oder dringend wasserfeste Gore-Tex-Schuhe brauchen. Unser beschriftetes Begleitfahrzeug (ein neuer BMW 530d GT)gesponsort vom Autohaus Kathan parkt direkt vorm Tegernseer Bräustüberl, als nacheinander Menschen in Regenkleidung mit Stöcken in der Hand eintreffen. Juhu! Wir sind nicht alleine und werden die Seerunde in Begleitung von 20 Sportwilligen in Angriff nehmen!
Gerd, vom DSV Ausbildungszentrum Nordic Sports Schliersee-Tegernsee, erklärt sich spontan bereit, ein Warm-Up mit allen Läufern zu machen. Wir geniessen die Übungen und sind uns einig, dass wir so viel Aufwärmung wohl die ganzen nächsten vier Wochen nicht erfahren werden...
Nachdem uns Georg Overs vom Tegernseer Tal Tourismus Verband offiziell verabschiedet, starten wir zur geselligen, sportlichen und fröhlichen Seerunde. Das Wetter meint es inzwischen gut mit uns; in Kaltenbrunn entledigen sich die ersten Mitwalker Ihrer Jacken und packen diese ins Begleitfahrzeug.
Horst, der sonst als Page im Egerner Hof tätig ist, läuft bis zur Erschöpfung die 20 Kilometer mit. In Bad Wiessee erwartet uns Olaf vom Injoy-Fitnessstudio mit einer Verpflegungsstation. Mit Powerriegeln und isotonischen Getränken fällt das Nordic Walken gleich sichtlich leichter und mit neuem Schwung geht es zur nächsten Zwischenstation: dem Parkhotel Egerner Höfe. Nach einem kurzen Pressetermin gibt es an der Point vor der sonnendurchfluteten Kulisse des Tegernsees und der dort aufgebauten SixCup Körbe von Ralf endlich ein kaltes Erdinger alkoholfrei. Das zischt, bevor wir wenig später, nach insgesamt dreieinhalb Stunden, vorm Bräustüberl einlaufen. Horst strahlt und singt überglücklich: "Finale - ohohoho - Finale ..."
Wir essen eben im Bräu, denn die Kalorien, die wir verlieren, wollen auch zugeführt werden, koordinieren die Übergabe des Begleitfahrzeuges, springen unter die Dusche und sitzen wenig später im Flugzeug nach Westerland auf Sylt. Inzwischen regnet es in Strömen - der Himmel hat seine Schleusen geöffnet und wir sind dankbar, dass wir trocken die Seerunde laufen konnten. Um 20 Uhr kommen wir auf der Insel Sylt an und haben das Glück, die Sonne über dem Meer untergehen zu sehen. Nachdem wir uns bei Moritz Luft - Sylt Marketing - vergewissert haben, dass er nicht extra für uns eine Fototapete aufbauen hat lassen, gibt`s zum gemeinsamen Abendessen mit Blick auf`Meer Fisch.
Wir sind da. Am Meer. Im Norden. Von nun an geht`s südwärts!